Montag, 11. Januar 2010

Kathmandu - Swissnepalfamily

Die erste Nacht in Kathmandu lässt uns endlich wieder richtig schlafen. Obwohl die Kinder etwas ängstlich waren, weil gestern ein total besoffener Gast im Zimmer über uns etwas Lärm gemacht und Claudia ein "unmoralisches" Angebot gemacht hatte. Morgens gehen wir auf die Dachterasse des Guesthouses. Der Blick über die Stadt ist wirklich toll. Die Sonne scheint warm und überall auf den Dächern hat es Leute, welche an der Wärme einer Tätigkeit nachgehen. Meist sind es Frauen, die haushalten. Beindruckend ist eine Familie, die ihre Kinder auch auf dem Dach hat. Die Kinder krabbeln und gehen umher, obwohl es am Rand des Daches keine Abschränkung hat.

Wir bestellen das Frühstück, geniessen die Aussicht und besprechen, was wir heute machen wollen.
Zuerst bringen wir unsere schmutzige Wäsche – zur grössten Freude von Claudia - in einen Laundry-Service, dann gehen wir kurz in ein Internet-Café für einen kurzen Blogeintrag und um näheres über die Visas zu erfahren. Nichts gewesen. Dafür können wir ausmachen, wo das Büro von "swissnepalfamily"  ist, ein Trekkingbüro, welches von Schweizern und Nepalesen gemeinsam geführt wird und für Familientrekking spezialisiert ist. Wir machen uns zu Fuss auf den Weg. Kathmandu ist wirklich ganz schön und bunt. Der Verkehr ist nicht zu vergleichen mit dem in Varanasi, wir merken kaum, dass wir auf Strassen gehen und Kühe in den Strassen sind eine Seltenheit. Richtig ungewohnt für uns...

Wir finden schliesslich das Büro, wo wir herzlich empfangen werden. Die Schweizer sind zurzeit zwar noch in der Schweiz in den Weihnachtsferien, aber wir fühlen uns trotzdem sofort gut aufgehoben bei Kishan. Da wir ja hier in Nepal noch etwas Zeit verbringen werden, entscheiden wir uns für ein sechstägiges Trekking in einem Naturschutzgebiet in der Nähe der Annapurna-Kette, obwohl wir solche Eskapaden in unserem Reisebudget nicht einberechnet haben. Annapurna, das heisst Riesendinger von 7000 bis knapp über 8000 Meter!. Keine Angst, wir werden nur bis 3000 Meter hoch steigen. Alles wird von Swisstreckingfamily organisiert. Kindergerechte Transporte, Führer, Träger, Vollpension, Übernachtungen etc. Der Preis ist wirklich okay und ein Kind ist sogar gratis. Wir besprechen die Ausrüstung und gehen zusammen mit Kishan in einen Trekking-Shop die nötigsten Sachen einkaufen. Hier in Kathmandu wimmelt es nur so von Trekking-Shops, es ist unglaublich. Hauptmarken sind Mammut und TheNorthFace und es ist alles zu Spottpreisen zu haben. Wie der Ladenbesitzer erklärt, handelt es sich fast ausschliesslich um Fälschungen aus China. Die Qualität sei aber wirklich gut. Ausser für ganz hohe Expeditionen, wie auch zum Mount Everest, verkaufen sie diese nicht, dafür haben sie echte Markenware zu viel höheren Preisen. Wir brauchen nicht wirklich viel. Leichte Handschuhe, dünne Flies-Pullis und so. Schlafsäcke und dicke Jacken können wir für 40 nepalesische Rupien pro Tag mieten, etwa 50 Rappen. Die Verkäufer haben grosse Freude an unseren Kindern, ist es doch eher eine Seltenheit, dass weisse Babus gleich zu dritt aufkreuzen. Und sie staunen nicht schlecht, dass diese sogar etwas Hindi sprechen können.

Kishan klärt auch noch ab, wie wir am besten mit den Visas weiterfahren. Er rät uns auf das Schweizer Konsulat zu gehen. Eventuell könnten die uns ja ein Empfehlungsschreiben machen. Mit Schmiergeld ist zurzeit nicht mehr viel zu machen, da die meisten Angst haben, wegen den neuen Bestimmungen. Auch hätte Kishan Kontakt zu Unterkünften, falls wir etwas anderes, saubereres suchen würden. Wir behalten uns das im Hinterkopf, denn unser Guesthouse ist ja wirklich nicht sehr sauber. Wir verabreden uns für Sonntag, um dann das Trekking definitiv zu buchen. In den Gassen des Stadtteils Thamel geniessen wir das Bummeln in den vielen Einkaufsstrassen und gehen in ein italienisches Restaurant essen. Es ist zwar teurer als gewohnt, aber dafür schmeckt es ausgezeichnet. Es gäbe Wein, aber wir trinken keinen. Es ist zwar schon ein etwas anderes Gefühl, wenn plötzlich alkoholische Getränke auf der Karte stehen. Das gab es in Varanasi nicht. Sogar Campari hätte es!!! Aber ich habe mir gesagt, dass ich mir den nächsten Campari dann im Flugzeug, wenn wir nach Hause reisen genehmige: "Ich nime no e Campari Soda, wyt under mir lyt s'Wulchemeer..." Beim Essen mache ich Claudia den Vorschlag, dass wir am Sonntag doch gerade unsere Sachen zusammenpacken, auschecken und mit Kishan's Hilfe eine schönere Unterkunft suchen. Um mal etwas unter uns zu besprechen, ohne dass die Kinder es mitkriegen und dreinschwatzen, reden wir französisch. Früher konnten wir das in Englisch machen. Forget it, unsere Kids verstehen das jetzt. Sämi will unbedingt besser französisch lernen, damit wir keine "Geheimsprache" mehr haben.

Am Tag darauf, es ist Samstag (in Nepal entspricht das dem Sonntag) gehen wir zu Fuss in den Zoo. Wir machen diesen Weg zu Fuss, um die Kinder etwas ans Wandern zu gewöhnen, werden wir dann beim Trekking doch täglich 4-6 Stunden unterwegs sein und Sport haben wir ja wirklich nicht viel gemacht. Der Zoo ist quadratisch und die Massen bewegen sich im Uhrzeigersinn im Kreis herum.
Er ist total übervölkert und die Tiere...na ja. Zoo's sind ja sowieso meist ein Thema für sich. Der Eintritt ist für Einheimische natürlich etwa um das 10-fache billiger als für Foreigners wie wir. Das ist einfach so. Die Einheimischen könnten sich sonst so einen Eintritt gar nicht leisten.

Am Sonntag packen wir dann wirklich unsere Sachen und gehen zu Fuss mit Sack und Pack in Richtung Thamel, wo sich das Büro von Swissnepalfamily befindet. Kurz davor sehen wir ein schönes Guesthouse (Tibet Guesthouse) und wir sagen uns, "wow, das würde uns gefallen". Wir sind bereit, rund zwanzig Franken pro Nacht aufzuwerfen und am liebsten hätten wir ein Familienzimmer. Kishan telefoniert kurz und sagt es gäbe da ganz in der Nähe eine Möglichkeit. Das Guesthouse heisse.... Tibet Guesthouse! Na, wer sagts denn? Die Suite für 40 Dollar schauen wir uns nur an, weil es uns Wunder nimmt. Ein grosses 4er-Zimmer für 20 Dollar nehmen wir dann. Es ist sauber und hat ein eigenes Bad. Beim Hinausgehen sagt Kishan dem Manager noch, dass wir für eine NGO gearbeitet haben und spontan geht er mit dem Preis auf 15 $ runter. Wir sind sehr glücklich und gehen zurück ins Büro, um das Trekking zu buchen. Auch hier hilft uns die Technik weiter. Anstatt x-Mal Geld vom Bankomaten zu holen, zahle ich den Betrag bequem per online-Banking.

Wir checken anschliessend im Guesthouse ein und dann gehts erstmal ans Hausaufgaben machen. Jeden Tag mindestens eine Stunde ist angesagt. Im Zimmer ist es ziemlich frisch, denn Heizungen gibt es natürlich nicht. Wir gehen dann nochmals raus, um etwas kleines zu essen. Es ist wirklich gefährlich in den Gassen Thamels. Es hat sooo viele verlockende Läden mit Trekking-Equipement, T-Shirts, Souvenirs etc., man könnte Unmengen einkaufen und wir müssen uns wirklich zügeln.

Alice und Louis kriegen mal wieder eine richtige Wäsche ab.
Beim Insbettgehen ist es wirklich sehr kühl. Wir können sogar ohne Zigaretten "rauchen" und mit Fernsehabend ist es auch nichts, da der Strom erst wieder um 10.30 h kommt. Aber wir haben richtig sauber bezogene Betten mit Leintüchern, 2 Wolldecken und einem Duvet. Bald ist es wohlig warm. Nur Sämi merkt erst am anderen Morgen, dass er gar nicht richtig ins Bett geschlüpft ist. Die Kinder sind nur nordisch schlafen gewöhnt und haben gar nicht gewusst, wie ein traditionell bezogenes Bett zu "bedienen" ist. Wir "Rabeneltern" haben das gar nicht gemerkt.

Heute Montag gehen wir auf die Schweizer Botschaft, aber die können uns auch nicht wirklich weiterhelfen. Sie empfehlen uns, direkt auf der indischen Botschaft vorzusprechen. Wir sehen uns noch ein paar Tempel an und schlendern durch die Gassen Kathmandus.

Als wir zurück ins Hotel kommen, staunen wir nicht schlecht. Unsere Betten sind gemacht, wir haben neue Badtücher gekriegt und es wurde sogar Staub gesaugt. Solch einen Service gab es im Himalayan's Guesthouse nicht. Hier bezahlen wir nur unmerklich mehr und haben es soviel besser. Bevor die Sonne untergeht, gehen wir für die Hausaufgaben noch auf die Dachterrasse und ziehen arbeitend die letzten warmen Sonnenstrahlen rein.
In der Ferne sind die Schneeberge sichtbar und wir freuen uns sehr auf unser Trekking. Heute werden wir noch unsere Jacken anprobieren und dann noch richtig nepalesisch essen gehen.
(Rémy)



Samstag, 9. Januar 2010

Trip to Nepal

Am Dienstag, 5. Januar 2010 essen wir zum vorläufig letzten Mal im Girls-Hostel. Zum Schluss wird es ein sehr tränenreicher Abschied, obwohl wir ja im Sinn haben, möglichst bald und vor allem vor dem 27. Januar 2010 wieder zurückzukommen. Aber es ist noch schwierig, das allen klar zu machen und selbst diejenigen, welche es verstehen, haben Mühe mit dem Gedanken, dass wir morgen früh abreisen.

Unser Guesthouse sieht schon ziemlich leer aus, weil wenn wir dann wirklich 2 Monate ausserhalb Indiens verbringen müssen, soll es dann auch für andere Gäste bewohnbar sein. Alice und Louis schieben eine riesen Krise, heulen wie die Kiranhunde und wollen nicht weg von hier. Alice hat schon den ganzen Tag Durchfall und Bauchweh und musste auch Erbrechen. Das kann ja heiter werden für unsere 2-tägige Busreise! Aber Alice meint, das sei kein Problem.
Das Packen fällt schwer und es ist schon spät abends. Ich bin froh, hat Claudia tagsüber das Ganze super organisiert, währenddem ich im Büro noch letzte Feuerwehrübungen gemacht habe, vergeblich nach hoffnungsvollen neuen Infos bezüglich der Indien-Visas suchte und nachmittags in die Stadt gefahren bin, um die nötigen US-Dollars für das Nepal-Visum zu wechseln, die Busreise zu reservieren und gleichzeitig der neuen Voluntärin Geraldine eine erste Orientierung in Varanasi zu geben.

Anderntags um halb sechs geht der Wecker, wir stehen noch etwas mühsam auf, packen unsere Sachen und Brijmohanlal, unser Fahrer steht schon zehn Minuten vor der abgemachten Zeit im Türrahmen. Es ist noch dunkel und das Kiran ist noch ganz verschlafen. So wie in den letzten zwei Tagen übrigens auch tagsüber, denn die Schule war zu. Warum? Es war "kältefrei"!
Auf der Fahrt zur Busstation erzählt Brijmohanlal, dass er früher oft die Fahrt von Varanasi nach Kathmandu als Chauffeur gemacht habe: "Very nice and very hill", meint er.
An der Busstation angekommen, entleert Alice nochmals spontan ihren Magen und Darm. Zum Glück ist Wasser in der Nähe und wir haben ja auch Ersatzkleider dabei...

Vor der Abfahrt gibt es ein im Preis inbegriffenes Frühstück: Tschai und ein Toastsandwich mit Rührei. Wir haben ja die Luxusvariante im Touristenbus gewählt. Da ist nebst der 2-tägigen Busfahrt eben auch dieses Frühstück und sogar die Übernachtung in Sonauli inbegriffen. Alles für 700 Rupien pro Person, also etwa 15 Franken.
Der Bus sieht ganz komfortabel aus und als wir einsteigen, sind sogar noch die Plätze direkt hinter der Fahrerkabine frei, so dass wir eine super Panorama-Sicht haben. Während der Fahrt sitzen Alice und Louis zwischendurch sogar bei den Fahrern vorne.

Die Strassen in Indien sind schlecht und die vielen Lastwagen und auch die meisten anderen Fahrzeuge sind langsamer unterwegs als unser Bus. So besteht die ganze Fahrt aus unzähligen Überholmanövern. Unser Chauffeur hat die Sache aber gut im Griff und wir sind uns ja auch schon einiges an indischem Fahrstil gewöhnt. Mühsam wird es erst, als es dann schon langsam eindunkelt. Auf der Strasse hat es Fussgänger, Velofahrer, Ochsengespanne, Handkarren und was weiss ich nicht noch alles. Alle ohne Licht. Dazu kommen noch Leute, die am Strassenrand sitzen. Und all die entgegenkommenden Fahrzeuge, welche Licht haben, blenden derart stark, dass man praktisch nichts mehr sieht. Für einmal finde ich es positiv, dass der Fahrer seinen Paan im Mund kaut. Das Zeugs scheint ihn auf alle Fälle wach zu halten.
Im Grenzkaff Sonauli angekommen, müssen wir unser Gepäck schultern und zu Fuss zuerst zum indischen Immigration-Office (also es ist mehr oder weniger einfach ein Tisch, der im Freien steht) gehen, wo wir den ganzen Formalitätenkram auf einem Formular ausfüllen müssen. Bei uns dauert das natürlich immer länger, weil wir zu fünft sind. Sämi füllt sein Formular selber aus, ein weiteres praxisbezogenes Beispiel zum Englischlernen. Dann geht es weiter zum nepalesischen Posten, wo sich das Ganze wiederholt, ausser dass wir da gerade zwei, inhaltlich fast identische, Formulare ausfüllen müssen und noch pro Person 40 US-$ bezahlen. Wir feilschen und so bezahlen wir für Alice nichts und für Louis nur 30 $, so dass wir doch wenigstens etwas sparen können. Wir wählen mal die Visa-Variante für 30 Tage, weil es für mehr als 30 Tage 100 $ pro Person kosten würde. Zudem kommt ein kleiner Hoffnungsschimmer auf, als ich von einem nach Indien einreisenden Mann erfahre, dass man im Moment nur 30 Tage bleiben müsse und die Bestimmungen fast täglich wieder ein wenig geändert werden.
Ziemlich müde kommen wir in unser Hotel, das sich, wie schon vorausgeahnt, als ein einziges, kaltes Dreckloch entpuppt. Nur Louis findet das Hotel noch schön!?! Wir haben ein schmutziges, wenigstens grosses Doppelbett, ohne Decken, dafür mit grossen schmuddeligen Kissen. Es ist saumässig kalt und trotzdem schwirren hier drinnen Hunderte von Moskitos in der Luft. Mit Sämi und Louis gehe ich noch runter um etwas zu essen, Claudia und Alice gehen schon schlafen. Das Essen ist okay. Vor dem ins Bett gehen, kann ich noch eine Moskitospirale organisieren. Dann geht es ab ins Bett, in voller Kleidermontur. Wir haben einen dünnen Schlafsack, den wir uns offen ausgebreitet teilen. Für mich reicht es nicht mehr. So schlüpfe ich mit meinen Beinen in die Ärmel meiner Regenjacke (ja ich weiss, ich hätte halt noch lange Unterhosen kaufen müssen) binde mir meinen Schal wie eine Mumie um den Kopf, stecke meine Hände tief in meine Faserpelzjacke und versuche zu schlafen. Om! An schlafen ist kaum zu denken. Draussen kläffen Hunde, dröhnen und hupen Lastwagen und es ist ja soooo kalt. Ich kriege Kopfschmerzen, die immer stärker werden und beneide den Rest meiner Familie, welche den Schlaf gefunden zu haben scheint. Irgendwie muss ich fast lachen, so absurd ist diese Situation. Irgendwann schlafe ich dann doch noch ein. Als ich aufwache, hämmert mein Kopf immer noch und es ist immer noch schweinemässig kalt. Ein Blick auf die Uhr und ich denke "Sch..., erst 4 Uhr!" Noch selten habe ich den Wecker so sehr ersehnt.
Endlich klopft es kurz vor sechs Uhr an der Türe. Hurra, aufstehen! Kurz ein Tschai und ein Toast gegessen und dann heisst es einladen. Anstelle unseres Indien-Touristenbusses steht jetzt da ein nepalesischer. So ein richtig "schöner", wie man ihn von Bildern her kennt. Die Sitze sind aber bequem, wenn auch meine Beine nicht mehr ganz so schön Platz haben. Draussen ist es feuchtneblig und wir sind froh, endlich von hier weg zu kommen. Zu Beginn ist unser Bus nur etwa zu zwei Drittel voll. Sämi und Louis sitzen fast zuvorderst, Claudia und Alice direkt vor mir und ich habe zwei Sitze für mich. Der Fahrer gibt ziemlich Gas, der Beifahrer lehnt sich an der offenen Türe weit hinaus und hält Ausschau auf potentielle Kunden am Strassenrand. Sobald diese im Nebel auftauchen, wird abrupt gebremst, kurz verhandelt und dann wieder weitergefahren. Dieses abrupte Bremsen hat auch seine beruhigende Seite: "Die Bremsen funktionieren gut, das ist doch schon etwas." Langsam füllt sich der Bus immer wie mehr. Die Gegend draussen sieht ziemlich trostlos aus und es scheint, dass auch der Fahrer diese möglichst schnell hinter sich bringen will. Es ist übrigens auch das Gebiet, in dem es vor Weihnachten wiederholt zu Unruhen gekommen ist. Louis kommt auch zu uns nach hinten und meint "Dä freset wäuts i däm Näbu!", Sämi bleibt auf seinem Logensitz vorne. Alice kommt zu mir, mit ihr zusammen kann ich noch ziemlich bequem sitzen.



Nach einer Weile zeigen sich langsam erste Sonnenstrahlen, die sich durch die Nebeldecke kämpfen und die Umgebung sieht schon freundlicher aus. Neben den Strassen sehen wir überall Leute, die um ein Feuer herum sitzen und sich in der morgendlichen Kälte etwas aufwärmen. Auch sie haben wahrscheinlich die meisten eine kalte Nacht hinter sich.

Plötzlich taucht der erste Hügelzug auf und es kommt uns fast vor, es müsste der Jura sein, so ähnlich sieht dieser aus. Wald, endlich wieder richtiger Wald. Und soviel Grün, es ist wunderbar! Das Tempo unserer Fahrt geht merklich zurück. Nicht etwa weil das Krisengebiet hinter uns liegt oder weil der Fahrer die schöne Umgebung geniessen will, nein, es geht jetzt ziemlich bergauf. "Very hill!", halt. Zu unserem Erstaunen sind die Strassen hier in Nepal in einem viel besseren Zustand als beim "grossen Bruder" Indien. Die Leute hier sind übrigens sehr nett und haben fast immer ein Lächeln in ihrem Gesicht. Und auch die Landschaft lächelt uns zu. Nach dem Jura-Feeling kommt es uns vor, als wären wir im Tessin. Zwischendurch wähnen wir uns auf der Route des Gorges in der Ardèche.



Die ersten Terrassenfelder tauchen auf, eindrücklich und wunderschön anzusehen. Sie tragen dieser Gegend ihren typischen Stempel auf. Und schon bald zeigen sich in der Ferne die ersten Schneeberge.


Der Bus ist proppevoll, einige Passagiere stehen, andere sitzen auf Reissäcken.

Ab und zu gibt es einen Halt, sei dies weil Leute ein- oder aussteigen oder weil Rast gemacht wird, um etwas zu kaufen. Es scheint schon im vornerein klar zu sein, wo angehalten wird. Denn überall ist alles schon bereit, um die Gäste zu bewirten. Dieses Gefühl hatte ich schon am Vortag auf der Indienstrecke. Vielleicht sieht es aber auch nur so aus und die vielen Imbiss-Stellen sind einfach den ganzen Tag ready, um die Leute schnellstmöglich mit Essen versorgen zu können, weil all zu viel Zeit will man auf so einer langen Fahrt ja nicht verlieren. Es ist übrigens unglaublich, wie viele Reisebusse nebst den unzähligen Lastwagen unterwegs sind. Man merkt, dass hier alles auf der Strasse transportiert wird und einfach viel mehr Leute ein Transportbedürfnis haben.








Irgendeinmal hat Sämi die "glorreiche" Idee, auf seinen Sitzplatz zu verzichten, da er nun genug vom Sitzen habe und stehen wolle. Alle Überredungskünste helfen nichts und auch der Hinweis, dass wir sicher noch etwa fünf bis sechs Stunden im Bus unterwegs sein werden, fruchtet nicht. Aber schon bald ist das coole Stehen und sich rumschütteln lassen nicht mehr so toll. Sämi sieht seinen Fehler ein und quetscht sich abwechslungsweise bei Claudia und Louis und bei Alice und mir auf die sonst schon etwas knappen Sitze. Ja, ja, er hat es jetzt begriffen und sieht ein, dass es ein Fehler war. Aber in seinem Alter wird es halt immer wie schwieriger, den Rat seiner Eltern zu akzeptieren. "Jetz puber-täts de öppe" lässt grüssen. Nach etwa drei Stunden wird dann aber wieder ein Platz frei und wir werden erlöst.
Die Schneeberge kommen immer näher,die Sonne scheint sich langsam verabschieden zu wollen. Wir überqueren einen letzten Pass und da wird plötzlich der Blick frei: Kathmandu!
Die Stadt wirkt auf den ersten Blick nicht sehr einladend. Aber "Kathmandu!". Dieser Name hat irgend etwas Spezielles. Auch diesen Namen kenne ich seit meiner Kindheit. Es gibt so Namen, die mir einfach bleiben, wie zum Beispiel auch Ouagadougou, Marrakesh oder Ganges.

Indien - Kathmandu – Hippies!
Kathmandu – Trekking – Mount Everest!
Kathmandu – Stau - ...

Ja, wir stecken im Stau. Und zwar ziemlich. Etwa eine Stunde oder so. Aber niemanden scheint es zu stören. Langsam wird es immer dunkler. Und eigentlich hasse ich es bei Dunkelheit irgendwo an einem fremden Ort anzukommen, weil mir dann die Orientierung fehlt. Was soll's, wir können es nicht ändern.
Schliesslich kommen wir doch noch beim Bus-Bahnhof an. Es ist stockdunkel. Wir finden doch bald ein Taxi. Der erste Taxifahrer hat keinen blassen Schimmer, wo unser Guesthouse liegen könnte, obwohl wir die Adresse und einen kleinen Plan des Quartiers haben. Der zweite scheint wenigstens zu wissen, wo ungefähr das sein könnte. Er tönt nicht sehr überzeugend, aber wir steigen trotzdem ein. Der Taxometer gehe nicht und es herrsche "very big traffic". Auf dieser Basis handeln wir einen Preis aus, der für beide etwa stimmt. Wir haben eh keine Ahnung wie weit es ist und was für Preisverhältnisse hier herrschen. Aber wir wollen jetzt einfach zum Guesthouse kommen. Nur kurz sind wir im big traffic, es geht kaum vorwärts und unser Fahrer biegt in kleine Nebengassen ab, in denen wir uns langsam durchschlängeln. Ab und zu fragt der Fahrer nach dem Weg und als wir in der richtigen Region zu sein scheinen, ruft er mit seinem Handy (unseres funktioniert ausserhalb Indiens nicht) im Hotel an und lässt sich an den richtigen Ort lotsen. Und wirklich, in einer dunklen Nebengasse (es herrscht gerade Stromausfall – wir fühlen uns "zu Hause") finden wir schliesslich das Himalaya's Guest House. Der Service stimmt also. Wir beziehen zwei Doppelzimmer, die zwar nicht wirklich sauber sind, aber nach der letzten Nacht ist alles okay, was einigermassen nach Hotel oder so aussieht. Wir gehen noch schnell auf die Gasse, um etwas zu essen und an einem ATM (Bancomat) nepalesische Rupien zu tanken. Wir finden in einer dunklen Strasse tatsächlich einen Bancomaten und es funktioniert wieder einmal mehr super. Die EC-Karte ist wirklich grandios und erspart uns mühsames Geldwechseln oder Schecks eintauschen. Mit dem Essen ist es so eine andere Sache. Wir langen ziemlich daneben. Der Service ist miserabel. Schon bei den Getränken funktioniert es nicht. Claudia kriegt ihre Frühlingsrollen als erste. Als sie fertig ist, kommen irgendwann meine Momos und die Kinder, welche am meisten Hunger haben, warten eine Ewigkeit auf ihre Pizza. Sämi will die Übung schon lange abbrechen, weil er einfach zu müde ist. Als die Pizzas endlich kommen, sind diese erst noch kaum essbar. Super! Wahrscheinlich mussten sie sie noch irgendwo auswärts kaufen gehen. Naja, wir sind ja auch ganz schön verwöhnt, von den feinen Vatikaa-Pizzas am Assi Ghat in Varanasi...
Müde gehen wir zu Bett und sind gespannt darauf, wie sich uns Kathmandu bei Tageslicht präsentieren wird.
(Rémy)

Freitag, 8. Januar 2010

Savely arrived in Nepal

Hallo und fuer einmal nur ganz kurz:

Wir sind gut und ohne groessere Probleme hier in Kathmandu angekommen. Mehr dazu demnaechst...
(Remy)

Dienstag, 5. Januar 2010

Nepal - 2 Wochen oder 2 Monate?

Hier in Varanasi ist es ar......kalt. Wir haben gepackt und fahren morgen frueh Richtung Kathmandu ab. Globalisierung funktioniert nur wenn's um den Stutz geht, sonst nicht. Indien hat neue Visa-Regeln und wir muessen wahrscheinlich 2 Monate ausserhalb Indiens verbringen, bevor wir wieder einreisen koennen!!!! Schweizer Botschaften sind nicht zu brauchen, selbst als Schweizer wirst du per Mail in einem Satz abserviert. Nimmt mich Wunder, fuer was die gut sein sollen???

Also, wir nehmen's gelassen und einfach so wie's kommt. Vielleicht sehen wir ja wenigstens den Yeti.

Wir freuen uns trotzdem auf Nepal!
(Remy)

Freitag, 1. Januar 2010

Was lange währt wird endlich gut...

Im August war es eine Idee...

Im Blog vom 6. September 2009 habe ich erstmals davon geschrieben...

Im Blog vom 2. Oktober 2009 habe ich fast nicht mehr daran geglaubt und musste "i Bode abe schnuufe"...

Irgendwann im Oktober fanden meine Argumente für meine ursprüngliche Idee doch noch Gehör...

... und dann ging es endlich los:

5. November 2009, vormittags


















5. November 2009, nachmittags
Spatenstich
















10. November 2009


11. November 2009
















13. November 2009























20. November 2009

26. November 2009
















17. Dezember 2009































...und heute, zum Neujahr und nach einer Vollmondnacht:
Die Einweihungsfeier mit einer kleinen Puja.
Cat Stevens liefert mit "Where do the children play" den Song dazu (leider konnte er nicht selber vorbeischauen um zu singen), wir die Puja-Zutaten und die Süssigkeiten.

So eine Puja ist eine seriöse Sache, da muss man konzentriert sein...

Rahul hat gar nicht gewusst, dass der Uncle Gitarre spielen kann...

Puneed beim feierlichen Durchschneiden des Bandes...

Mmh, lecker...

Vinod versucht sich als einer der Ersten...

Ich bin froh, ist dieses kleine Projekt doch noch rechtzeitig abgeschlossen worden. Hoffen wir, dass der Tischtennistisch auch rege benützt wird und viel Freue bringt. Als Tischtennistisch, zum Wäsche klopfen, als Unterschlupf wenns regnet, als Schattenspender für ein Mittagsschläfchen in der Sommerhitze oder für was auch immer...
















(Rémy)

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Silvester

Silvester feiern wir ganz gemütlich. Am Dienstag im Prayer wurde beschlossen, dass wir heute ein Kiran-Get-Together veranstalten. Das heisst, es wird gemeinsam gekocht, parallel dazu wird (vor allem für die Kinder) ein Film gezeigt und anschliessend wird gegessen. Heute sind ausnahmsweise auch die Trainees dabei. Sie freuen sich sehr. In Etappen wird gegessen und es schmeckt wieder einmal wunderbar. Puri, Sabji, Paneer, spezieller Djawal und noch ein süsses Stückchen zum Nachtisch. Wir platzen fast aus allen Nähten, ausser Louis, der hat eine Magenverstimmung und muss auf unser Geheiss die Finger von den fritierten Puris lassen (So en Saich!). Nach dem Essen gehen die meisten nach Hause, ist es seit gestern, wo es doch tatsächlich geregnet hat, doch wirklich "schweinekalt". Die Sonne vermag sich gegen den Hochnebel nicht durchzusetzen und so schlottern wir uns einen ab. In den Häusern ist es ziemlich frisch und hätte Sämi nicht ein Silvesterfeuer vorbereitet, so wären wir wohl alle frühzeitig in die Heja gegangen, um uns in Wolldecken gehüllt aufzuwärmen. Sämis Feueridee ist wirklich super. Er organisiert alles selber, baut eine Feuerstelle, sammelt Holz, holt Stühle und richtet sogar eine Wasserleitung ein, falls es zu einem Grossbrand kommen würde (ist bei dieser Witterung aber seeeehhhr unwahrscheinlich). Auf alle Fälle harren wir am wohlig warmen Feuer bis um Mitternacht aus. Kurz vor dem Jahreswechsel kommt noch Ashok dazu und quasselt uns mit Hindi voll. Irgendwie will er, so glauben wir, dass Ivo und Franziska endlich heiraten, ist das doch in Indien ein "haltloser" Zustand. Um Mitternacht rum, natürlich weiss niemand, wessen Uhr jetzt genau geht und es geht keine gleich wie die andere, wünschen wir uns "Happy New Year" und gehen dann ziemlich rasch in die Pfanne, weil das Feuer langsam ausgeht und die Kälte die Beine hochkriecht.
(Rémy)













Madhopur-Varanasi zu Fuss

Claudia, Louis und Alice sind schon seit gestern in Varanasi. So machen wir zwei (Sämi und Rémy) uns am 27.12.2009 zu Fuss auf den Weg in die Stadt. Alles der Ganga entlang. Es ist faszinierend, wie sich ihr Gesicht immer wieder wandelt. Nach etwa einer Stunde verschwindet sie für unsere Blicke plötzlich im Boden und wir finden uns fast in der Wüste wieder. Später taucht sie dann aber wieder auf. Sie hat sich ganz am anderen Ufer entlang versteckt. Hoch auf der Bypass-Brücke entdecken wir nebst den vielen Lastwagen einen Elefanten. 4 Stunden nach unserem Start, nach ca. 14 Kilometer und mit etwas müden Beinen kommen wir vor der Ramnagar-Brücke an. Jedoch befinden wir uns auf einer Sandbank und wir müssten wieder etwa einen Kilometer zu Fuss zurück gehen, obwohl das Ufer nur etwa 20 Meter entfernt ist. Zum Glück hat es dort einen Fischer, der uns diesen Umweg erspart und uns in seinem Boot ans "rettende" Ufer bringt. Es waren schöne, fast meditative Stunden in der warmen Wintersonne...
(Rémy)