Die erste Nacht im Kiran ist brutal heiss! Die Kinder können trotz grosser Müdigkeit noch lange nicht einschlafen. Unsere Körper werden wohl noch einige Zeit brauchen, um sich dem neuen Klima anzupassen ... Am Morgen hätten die Kinder gerne noch länger geschlafen, nachdem sie den langersehnten Schlaf erst spät und mit diversen Unterbrüchen gefunden haben. Wir wecken sie trotzdem kurz nach 8 Uhr, damit wir noch frühstücken können und pünktlich zur ersten 9 Uhr Morgenandacht erscheinen. Dort werden wir am Ende noch kurz vorgestellt und wir bekommen alle einen kleinen, bunten Blumenstrauss als Willkommensgeschenk. Anschliessend nimmt uns Promilla offiziell in Empfang. Sie führt uns etwas durchs Kiran, bis dann Pramud dazukommt und übernimmt. Der junge Mann zeigt uns die KünstlerInnenabteilung, wo sie gerade wunderschöne Armbänder aus "Chräleli" herstellen, die orthopädische Werkstatt und die Bäckerei. Das genügt für's Erste. Die Kinder finden sich schon gut auf dem Gelände zurecht, ich muss mich noch schwer orientieren ... Wir gehen zurück in unser kleines aber feines Guesthouse, und füllen noch für uns alle je ein Formular aus, welches dann ins hiesige Polizeibüro gebracht werden muss. Alice und Louis sind in der Zwischenzeit eingeschlafen, sie sind total k.o., Sämi liest. Er hat sein Buch schon gestern fertig gelesen und hat es heute nochmals zu lesen begonnen. Schade, hat er seinen Harry Potter in der Schweiz liegen gelassen ...
Wir treffen auch noch die Schulleiterin, Nidhi. Wir besprechen, wie's mit der Schule für unsere Kinder laufen soll. Alice kommt voraussichtlich in den "LKG", den "Lower Kindergarden". Diese Kinder beginnen neu mit Lesen und Schreiben und das Klassenzimmer befindet sich sozusagen in unserem Garten, ein allein stehendes Einzimmerhäuschen.
Louis wird in den "UKG" kommen, den "Upper Kindergarden". Diese Kinder können bereits Lesen und Schreiben. Kindergarten tönt natürlich nicht so cool für Louis, aber wir denken, Louis wird sich mit der Zeit dort wohlfühlen.
Sämi wird in die 5. Klasse kommen. Es hat dort viele behinderte Kinder und Sämi freut sich schon auf diese.
Nidhi findet auch, Sämi, Louis und Alice müssen ein paar Standartsätze Hindi/Englisch lernen und wird mit den Lehrkräften etwas ausarbeiten. Wir werden sie langsam in den Schulprozess integrieren, z.B. indem die ganze Familie den jeweiligen Unterricht besucht, später ev. nur noch teilweise - mal schauen, wie das klappt.
Nach dem Mittagessen in der Kantine laufen wir jedenfalls zufällig bei Alices zukünftiger Klasse vorbei und wir besuchen diese ganz spontan schon einmal. Die Lehrerin heisst Sunna (?), die Schulassistentin Minna (?). Die Kinder sagen gerade ein englisches Versli auf und es tönt herzig mit indischem Akzent. Nachher stellen sich alle Kinder vor, und jedes Kind kann selber noch ein Lied oder Vers nach Wunsch aufsagen. Es sind auch vier Mädchen dabei, welche wir im Mädchen-Hostels schon kennengelernt haben, mit zweien davon, Annu und Anjana hat Alice gestern schon ausgiebig gebadet.
Auch jetzt, wo der Schultag beendet ist drängt sich eine Abkühlung im Pool auf. Dort blühen Louis und Alice wieder so richtig auf. Auch ich stürze mich in meinem neuen Badeaufzug wieder ins kühle Nass. Das Wasser ist zwar noch von gestern und schon fast chli "ranzig", aber das stört uns überhaupt nicht. Sangeeta hat uns erklärt, dass das Wasser täglich erneuert werden muss/sollte, da kein Chlor drin ist. Das Poolwasser wird zum Bewässern benutzt.
Das Zvieri bei den Mädchen ist lecker, eine Art "Porrige", schön süss ... Louis ist nicht gerade begeistert, aber er macht bei der ganzen Esserei gut mit, obwohl er jedes Mal über seinen eigenen Schatten springen muss. Es ist aber wirklich schön, wie er von allem immer wieder probiert, obwohl er eigentlich seit gestern jeweils gar nicht mehr zum Essen mitkommen will ... Schlussendlich, mit etwas Verspätung, schafft es Rémy heute doch noch, mit Louis zum Abendessen zu kommen, wo beide noch tüchtig essen. Abendessen ist jeweils um 20 Uhr, was für uns noch gewöhnungsbedürftig ist. Aber eben, wir sind ja erst gerade angekommen und haben noch viiiiieeeel Zeit um uns einzuleben.
Nachdem alle, ausser Alice und ich, schon mit ein paar Mückenstichen beglückt wurden, bekommen wir heute noch die Moskitonetzte geliefert. Wir würfeln noch gemeinsam und sind dann um 22 Uhr im Bett. Morgen ist dann wieder Feiertag und wir werden nach Varanasi zum Einkaufen fahren mit einem Kiran-Chauffeur.
(Claudia)
Donnerstag, 6. August 2009
Mittwoch, 5. August 2009
Kiran - unser Ziel ist erreicht!
Unser Ziel Varanasi kommt immer näher. Aus dem Zug beobachten wir die zahlreichen Leute, welche entlang der Bahnlinie leben, wie sie ihre Morgenrituale absolvieren. Da werden mit einem Stück Holz die Zähne geputzt, der Körper gewaschen, in aller Ruhe das persönliche "Geschäft" erledigt oder bereits das Feld bestellt. Die Landschaft, das Verhalten der Menschen, die Gebäude... - vieles erinnert uns an Afrika, ausser, dass es viel grüner ist, obwohl der Monsun noch nicht wirklich gekommen ist. Wir fühlen uns sofort zu Hause.
Langsam rollt der Zug mit etwa einer Stunde Verspätung in Varanasi ein. Wir sind versorgt mit Chai, Omeletten und Toast, packen unsere sieben Sachen und warten gespannt auf die ungeheure Menschenmenge, welche uns am Bahnhof erwarten wird. Aber wie schon in New Delhi sind wir überrascht, dass es gar nicht so krass ist, wie man uns immer erzählt hat. Vielleicht sind wir auch schon einfach einiges gewöhnt. Ich staune immer wieder, wie gelassen wir als Familie mit so Situationen umgehen können. Klar hat es auch hier Träger und Taxivermittler, die sich anbieten, aber irgendwie sind sie nicht so aggressiv wie zum Beispiel am Flughafen von Ouagadougou. Oder ist es unsere Ruhe, die sie merken lässt, dass wir uns selber helfen können. Auf alle Fälle haben bis jetzt alle mit Respekt auf uns reagiert. Das finde ich sehr angenehm.
Kaum haben wir mit unserem Gepäck die ersten Schritte gemacht, kommt uns auch schon Sangeeta, die Leiterin des Kiran mit ihrem strahlenden Lächeln entgegen. Zusammen mit einem der Kiran-Chauffeure bringt sie auch noch Rahul, einen Jugendlichen aus dem Kiran mit. Die Begrüssung ist sehr herzlich, endlich ist für beide Seiten der lang ersehnte Tag gekommen. Sangeeta klärt uns auch gleich auf, dass es heute wirklich weniger Leute am Bahnhof hat, da einer der unzähligen Feiertage ansteht, nämlich Rakshabandhan. Kurz: An diesem Tag schenken die Schwestern ihren Brüdern ein Armband und die Brüder müssen bezeugen, dass sie ihre Schwestern beschützen werden. Aus diesem Grunde reisen fast alle an diesem Tag zu ihrer Familie.
Mit einem sehr komfortablen Kiranbus fahren wir dann zum Kiranvillage in Madhopur. Zum Fahrstil lässt sich nichts Neues sagen, it's all the same in whole India. Sangeeta erklärt uns ein paar Merkpunkte auf der Fahrt, damit wir uns später mal selber helfen könnten, wenn wir einem Autoritschka- oder Taxifahrer den Weg nach Madhopur zeigen müssen. Uns bleibt DLW (Diesel Locomotion Works) und Bypass (eine Art Autobahn, die über die Strasse führt). Schön dabei ist für uns der Gedanke, dass wir ein halbes Jahr Zeit haben, uns diesen Weg zu merken. Und zwischendurch macht sie noch schnell ein Telefon, um anzuordnen, dass das Bassin, falls der Strom noch nicht abgestellt sei, mit Wasser gefüllt wird, da Alice gefragt hat, ob sie baden könne.
Nach ungefähr 45 Minuten Fahrt biegen wir ins Eingangstor des Kiran ein und wähnen uns schon nach wenigen Metern im Paradies. Wir sind einfach sprachlos, ob dem satten grün, der gepflegten Anlage, den vielen Schatten spendenden Bäumen, den schönen Gebäuden und dem idyllischen Teich. Auch die Grösse beeindruckt uns sehr. Wir haben uns das alles viel kleiner vorgestellt. Als uns dann Sangeeta anstelle der ursprünglich geplanten zwei Volunteer-Zimmer das Guest-House öffnet, bleiben auch unsere Münder geöffnet. Wir haben eine richtige kleine Wohnung mit zwei Schlafzimmern, einem Wohnzimmer und einer Küche. Klar, alles relativ einfach, aber sehr zweckmässig und farbig eingerichtet. Schon wieder wähnen wir uns im Paradies!
Sangeeta erklärt uns die wichtigsten Dinge und lässt uns dann Zeit, um uns einzurichten. Den wenigen Leuten, die wir bis jetzt im Kiran gesehen haben, ist die Freude über unsere Ankunft anzusehen. Kinder haben wir noch fast keine gesehen, da die meisten, des Feiertages wegen, zu Hause bei ihren Familien sind.
Um halb eins gibt es dann Mittagessen im Hostel der Mädchen. Sangeeta stellt uns einander kurz vor und lässt uns dann mit den knapp zwanzig Mädchen und ihren Didis (Betreuerinnen) alleine. Ich finde das ganz toll, wie sie uns so Gelegenheit gibt, den Kontakt mit diesen Menschen selber zu knüpfen und sich so selber aus dem Mittelpunkt nimmt. Die ersten Hindi-Sätze werden ausgetauscht. Es geht vor allem um die Namen und unseren Kindern müssen wir gar nicht erst sagen, sie sollen es doch auf Hindi versuchen. Unaufgefordert sagen sie "Mera naam Alice / Louis / Sämi hai". Sie sind einfach genial!
Das Essen (am Boden sitzend, mit der rechten Hand essend) ist köstlich, auch wenn Alice und Louis mehrheitlich noch beim Reis bleiben. Sämi findet alles gut, auch die scharfen Pickels.
Wir entscheiden uns, von allen eine Fotografie zu machen und die dazugehörenden Namen hinzufügen, damit wir dann hoffentlich möglichst viele der KiranerInnen beim Namen ansprechen können. So werden nach dem Essen, währenddem Alice und Louis im Pool rumtollen, die ersten Namen aufgeschrieben und Fotos gemacht.
Danach schauen sich die Mädchen eine Hindi-Soap an, dies vor einem wunderschönen Möbel von einem Fernseher, und wir machen eine kleine Siesta, bevor es um vier Uhr zum Feiertags-Ritual des erwähnten Rakshabandhan geht. Leider verpasse ich das Ganze, da ich den Kiran-Hauselektriker begleite, der ein paar Dinge in unserem Guest-House auf Vordermann bringen muss. Als ich zurückkomme, haben Louis und Sämi ein paar Armbänder an der rechten Hand und ihren ersten roten Punkt auf der Stirn...
Zusammen mit Sangeeta, Ravi und Madina machen wir noch einen kurzen Spaziergang zu Mother Ganga. Mutter Ganges, der heilige Fluss, liegt nur etwa 500 Meter vom Kiranvillage entfernt. Neu wurde an dieser Stelle auch ein Ghat (grosse Steintreppen bis ins Wasser) erstellt. Und bereits an unserem ersten Kirantag badet unsere ganze Familie...ihre Füsse...im heiligsten aller Flüsse.
Langsam rollt der Zug mit etwa einer Stunde Verspätung in Varanasi ein. Wir sind versorgt mit Chai, Omeletten und Toast, packen unsere sieben Sachen und warten gespannt auf die ungeheure Menschenmenge, welche uns am Bahnhof erwarten wird. Aber wie schon in New Delhi sind wir überrascht, dass es gar nicht so krass ist, wie man uns immer erzählt hat. Vielleicht sind wir auch schon einfach einiges gewöhnt. Ich staune immer wieder, wie gelassen wir als Familie mit so Situationen umgehen können. Klar hat es auch hier Träger und Taxivermittler, die sich anbieten, aber irgendwie sind sie nicht so aggressiv wie zum Beispiel am Flughafen von Ouagadougou. Oder ist es unsere Ruhe, die sie merken lässt, dass wir uns selber helfen können. Auf alle Fälle haben bis jetzt alle mit Respekt auf uns reagiert. Das finde ich sehr angenehm.
Kaum haben wir mit unserem Gepäck die ersten Schritte gemacht, kommt uns auch schon Sangeeta, die Leiterin des Kiran mit ihrem strahlenden Lächeln entgegen. Zusammen mit einem der Kiran-Chauffeure bringt sie auch noch Rahul, einen Jugendlichen aus dem Kiran mit. Die Begrüssung ist sehr herzlich, endlich ist für beide Seiten der lang ersehnte Tag gekommen. Sangeeta klärt uns auch gleich auf, dass es heute wirklich weniger Leute am Bahnhof hat, da einer der unzähligen Feiertage ansteht, nämlich Rakshabandhan. Kurz: An diesem Tag schenken die Schwestern ihren Brüdern ein Armband und die Brüder müssen bezeugen, dass sie ihre Schwestern beschützen werden. Aus diesem Grunde reisen fast alle an diesem Tag zu ihrer Familie.
Mit einem sehr komfortablen Kiranbus fahren wir dann zum Kiranvillage in Madhopur. Zum Fahrstil lässt sich nichts Neues sagen, it's all the same in whole India. Sangeeta erklärt uns ein paar Merkpunkte auf der Fahrt, damit wir uns später mal selber helfen könnten, wenn wir einem Autoritschka- oder Taxifahrer den Weg nach Madhopur zeigen müssen. Uns bleibt DLW (Diesel Locomotion Works) und Bypass (eine Art Autobahn, die über die Strasse führt). Schön dabei ist für uns der Gedanke, dass wir ein halbes Jahr Zeit haben, uns diesen Weg zu merken. Und zwischendurch macht sie noch schnell ein Telefon, um anzuordnen, dass das Bassin, falls der Strom noch nicht abgestellt sei, mit Wasser gefüllt wird, da Alice gefragt hat, ob sie baden könne.
Nach ungefähr 45 Minuten Fahrt biegen wir ins Eingangstor des Kiran ein und wähnen uns schon nach wenigen Metern im Paradies. Wir sind einfach sprachlos, ob dem satten grün, der gepflegten Anlage, den vielen Schatten spendenden Bäumen, den schönen Gebäuden und dem idyllischen Teich. Auch die Grösse beeindruckt uns sehr. Wir haben uns das alles viel kleiner vorgestellt. Als uns dann Sangeeta anstelle der ursprünglich geplanten zwei Volunteer-Zimmer das Guest-House öffnet, bleiben auch unsere Münder geöffnet. Wir haben eine richtige kleine Wohnung mit zwei Schlafzimmern, einem Wohnzimmer und einer Küche. Klar, alles relativ einfach, aber sehr zweckmässig und farbig eingerichtet. Schon wieder wähnen wir uns im Paradies!
Sangeeta erklärt uns die wichtigsten Dinge und lässt uns dann Zeit, um uns einzurichten. Den wenigen Leuten, die wir bis jetzt im Kiran gesehen haben, ist die Freude über unsere Ankunft anzusehen. Kinder haben wir noch fast keine gesehen, da die meisten, des Feiertages wegen, zu Hause bei ihren Familien sind.
Um halb eins gibt es dann Mittagessen im Hostel der Mädchen. Sangeeta stellt uns einander kurz vor und lässt uns dann mit den knapp zwanzig Mädchen und ihren Didis (Betreuerinnen) alleine. Ich finde das ganz toll, wie sie uns so Gelegenheit gibt, den Kontakt mit diesen Menschen selber zu knüpfen und sich so selber aus dem Mittelpunkt nimmt. Die ersten Hindi-Sätze werden ausgetauscht. Es geht vor allem um die Namen und unseren Kindern müssen wir gar nicht erst sagen, sie sollen es doch auf Hindi versuchen. Unaufgefordert sagen sie "Mera naam Alice / Louis / Sämi hai". Sie sind einfach genial!
Das Essen (am Boden sitzend, mit der rechten Hand essend) ist köstlich, auch wenn Alice und Louis mehrheitlich noch beim Reis bleiben. Sämi findet alles gut, auch die scharfen Pickels.
Wir entscheiden uns, von allen eine Fotografie zu machen und die dazugehörenden Namen hinzufügen, damit wir dann hoffentlich möglichst viele der KiranerInnen beim Namen ansprechen können. So werden nach dem Essen, währenddem Alice und Louis im Pool rumtollen, die ersten Namen aufgeschrieben und Fotos gemacht.
Danach schauen sich die Mädchen eine Hindi-Soap an, dies vor einem wunderschönen Möbel von einem Fernseher, und wir machen eine kleine Siesta, bevor es um vier Uhr zum Feiertags-Ritual des erwähnten Rakshabandhan geht. Leider verpasse ich das Ganze, da ich den Kiran-Hauselektriker begleite, der ein paar Dinge in unserem Guest-House auf Vordermann bringen muss. Als ich zurückkomme, haben Louis und Sämi ein paar Armbänder an der rechten Hand und ihren ersten roten Punkt auf der Stirn...
Zusammen mit Sangeeta, Ravi und Madina machen wir noch einen kurzen Spaziergang zu Mother Ganga. Mutter Ganges, der heilige Fluss, liegt nur etwa 500 Meter vom Kiranvillage entfernt. Neu wurde an dieser Stelle auch ein Ghat (grosse Steintreppen bis ins Wasser) erstellt. Und bereits an unserem ersten Kirantag badet unsere ganze Familie...ihre Füsse...im heiligsten aller Flüsse.
Sangeeta erzählt, dass es hier sehr schöne Sonnenuntergänge gebe, vor allem ab Oktober sei es am schönsten. Und wir freuen uns, dass wir dann auch noch hier sein werden. Sämi hat übrigens mal kurz gefragt, ob wir nicht gerade zwei Jahre hierbleiben könnten... Naja, mal schauen, wie lange diese Euphorie andauert.
Anschliessend badete die ganze Familie zusammen mit Sangeeta doch noch, jedoch nicht im Ganges, sondern im Bassin des Kiran. Aus Solidarität zu Claudia und Sangeeta, die als Frauen mitsamt Kleidern ins Wasser mussten, haben wir anderen unsere T-Shirts anbehalten. So waren diese auch schon ein bisschen gewaschen. Praktisch oder?
So, um 20 Uhr gab es dann wieder im Mädchen Hostel das Abendessen und dann machten wir uns hundemüde ab in die Heja. Unser erster Kirantag war heiss, aber wunderschön.
(Rémy)
Dienstag, 4. August 2009
Chillen in Delhi
Wir schlafen so richtig aus. Sämi und Louis werden erst gegen Mittag wach, obwohl draussen Ramba-Zamba herrscht und die Hitze immer grösser wird. Wir entscheiden uns, auf einen Stadttrip zu verzichten und stattdessen im Hotel zu bleiben und die paar verbleibenden Stunden im gemütlichen Hotelrestaurant mit Spielen, Malen und Essen zu verbringen.
Gegen halb fünf Uhr machen wir uns zur Weiterreise bereit, fährt doch unser Zug schon um halb sieben und der Bahnhof ist doch satte 20 Gehminuten vom Hotel entfernt. Aber eben, unser Hotel liegt am Main Bazar in New Delhi, India...
Nach etwas Verhandlungsgeschick durch die Leute vom Hotel kamen wir schliesslich zu zwei Autoritschkas, die bezahlbar waren. Ein kleines Beispiel: Der eine Ritschkafahrer wollte zum normalen Preis noch je 50 Rupien pro Gepäckstück. Schlussendlich zahlten wir pro Ritschka einfach 50 Rupien (etwas mehr als 1 Franken). Überhaupt ist das ja so ne Sache mit den Neuankömmlingen wie wir, die noch kein Gespür für die gängigen Geldmengen beim Trinkgeld und beim Aushandeln von Dienstleistungen haben. Unserem ersten Chauffeur haben wir wohl eher zu wenig gegeben, andere kriegten ganz glänzende Augen und bedankten sich überschwänglich. Wir werden das noch besser abschätzen lernen.
Die Fahrt mit den zwei Autoritschkas ist natürlich wieder sehr holprig und lustig. Es zeigt sich klar, wer im Strassenverkehr Vortritt hat: Grundsätzlich der Schnellere und vor allem der Motorisierte vor dem Fussvolk. Beeindruckend ist aber auch hier wieder, wie das wilde Gehupe und Gedränge trotzdem friedlich vonstatten geht. In der Schweiz würde innert kürzester Zeit Krieg herrschen.
Am Bahnhof angekommen verhandeln wir noch kurz mit zwei Gepäckträgern, die uns schliesslich perfekt bis vor unseren Eisenbahnwagen führen. Und tatsächlich: GREAT INDIA!!! Neben der Eingangstüre hängt eine saubere Liste mit der "Pijamaverteilung" für den ganzen Wagen und unsere Namen sind fein säuberlich, wie wir sie online in der Schweiz gebucht und ausgedruckt haben, aufgeführt. Wir haben ein Viererabteil für uns und einen zusätzlichen Platz in einem anderen Abteil, den wir aber gleich einem Inder verschenken, der noch keinen Schlafplatz hat. Das Abteil ist sauber und klimatisiert, der Service ist freundlich und zuvorkommend.
Gegen halb fünf Uhr machen wir uns zur Weiterreise bereit, fährt doch unser Zug schon um halb sieben und der Bahnhof ist doch satte 20 Gehminuten vom Hotel entfernt. Aber eben, unser Hotel liegt am Main Bazar in New Delhi, India...
Nach etwas Verhandlungsgeschick durch die Leute vom Hotel kamen wir schliesslich zu zwei Autoritschkas, die bezahlbar waren. Ein kleines Beispiel: Der eine Ritschkafahrer wollte zum normalen Preis noch je 50 Rupien pro Gepäckstück. Schlussendlich zahlten wir pro Ritschka einfach 50 Rupien (etwas mehr als 1 Franken). Überhaupt ist das ja so ne Sache mit den Neuankömmlingen wie wir, die noch kein Gespür für die gängigen Geldmengen beim Trinkgeld und beim Aushandeln von Dienstleistungen haben. Unserem ersten Chauffeur haben wir wohl eher zu wenig gegeben, andere kriegten ganz glänzende Augen und bedankten sich überschwänglich. Wir werden das noch besser abschätzen lernen.
Die Fahrt mit den zwei Autoritschkas ist natürlich wieder sehr holprig und lustig. Es zeigt sich klar, wer im Strassenverkehr Vortritt hat: Grundsätzlich der Schnellere und vor allem der Motorisierte vor dem Fussvolk. Beeindruckend ist aber auch hier wieder, wie das wilde Gehupe und Gedränge trotzdem friedlich vonstatten geht. In der Schweiz würde innert kürzester Zeit Krieg herrschen.
Am Bahnhof angekommen verhandeln wir noch kurz mit zwei Gepäckträgern, die uns schliesslich perfekt bis vor unseren Eisenbahnwagen führen. Und tatsächlich: GREAT INDIA!!! Neben der Eingangstüre hängt eine saubere Liste mit der "Pijamaverteilung" für den ganzen Wagen und unsere Namen sind fein säuberlich, wie wir sie online in der Schweiz gebucht und ausgedruckt haben, aufgeführt. Wir haben ein Viererabteil für uns und einen zusätzlichen Platz in einem anderen Abteil, den wir aber gleich einem Inder verschenken, der noch keinen Schlafplatz hat. Das Abteil ist sauber und klimatisiert, der Service ist freundlich und zuvorkommend.
Schon vor der Abfahrt kommt ständig Zugpersonal vorbei, das Chai, Kaffee, kühle Getränke oder andere Leckereien verkauft. Und kaum abgefahren, können wir auch schon das Essen bestellen. Wir machens uns gemütlich, bewundern die proppevollen Regionalzüge und ab und zu quatschen uns Inder an, um etwas Smalltalk zu betreiben (teilweise verstehen wir kein Wort, obwohl es irgendwie nach Englisch zu tönen scheint, aber wir lächeln einfach freundlich oder sagen einfach "yes, yes", wie es die Inder umgekehrt auch machen). Die Kinder turnen im Abteil rum und wir versuchen ihnen etwas indische Manieren beizubringen, was aber zunehmend schwieriger wird, je länger das Warten auf das Essen dauert. Kurz vor 20 Uhr fragen wir, wann das Essen komme und es heisst "en deen minits". Da kommen mir unweigerlich Sebi Singhs "indian minutes" auf dem Uhuru in den Sinn, über die wir beide jeweils sehr gelacht haben. Doch hier wird alles getoppt und wir Essen schliesslich erst gegen 22 h, dafür mit umso mehr Kohldampf. Chicken-Curry serviert wie im Flugzeug. Es schmeckt goooood!
Ja, und jetzt sitze ich hier am Laptop, es ist halb zwölf, die Kinder und Claudia schlafen schon und wir rattern gemütlich in Richtung Varanasi, wo wir morgens um halb acht abgeholt werden. Der Vollmond scheint sanft durchs Fenster. Wir freuen uns extrem auf das Kiran. Gute Nacht!
PS. Psst! Werde Claudia noch einen Gutenachtkuss geben. Sieht ja niemand, ist ja dunkel...
(Rémy)
Ja, und jetzt sitze ich hier am Laptop, es ist halb zwölf, die Kinder und Claudia schlafen schon und wir rattern gemütlich in Richtung Varanasi, wo wir morgens um halb acht abgeholt werden. Der Vollmond scheint sanft durchs Fenster. Wir freuen uns extrem auf das Kiran. Gute Nacht!
PS. Psst! Werde Claudia noch einen Gutenachtkuss geben. Sieht ja niemand, ist ja dunkel...
(Rémy)
Montag, 3. August 2009
Savely arrived - Yeah India!
Während dem Landeanflug in New Delhi herrscht die gewöhnliche Ruhe im Flugzeug. Kaum setzen die Räder auf dem Boden auf, ertönt eine fröhliche und laute Kinderstimme: "Yeah Indie - mir si in Indieee!!!". Mit ausgebreiteten Armen gibt Alice zum Vergnügen von uns anderen Fluggästen im vollbesetzten Airbus ihrer spontanen Freude Ausdruck, dass wir nun Incredible India erreicht haben. Es ist kurz vor Mitternacht - 34° Celsius.
Der Flug war sehr angenehm und kurzweilig. Zudem wurden wir noch speziell von Flight Attendant Silvia Brugger verwöhnt, die wir privat kennen und die es geschafft hat, ihren Einsatz auf unseren Flug zu legen. So wurde der eh schon gute Swiss Service noch zusätzlich mit Business-Stuff für die Schischigagas angehoben und wir konnten sogar einen Besuch im Cockpit machen, was seit 9/11 eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit ist.
Nach dem Verabschieden von der Crew geht es raus aus dem Flugzeug und rein in die Wärme. Von Afrika her sind wir einiges gewöhnt, so dass uns die 34° C nicht wirklich umhauen und wir fröhlich drauflos schwitzen. Als erstes geht es zum Health Check, der wegen der Schweinegrippe eingeführt wurde, welche in Indien (noch) nicht Fuss gefasst hat. Die Airport-MitarbeiterInnen, welche vor dem Health Check im Einsatz sind, tragen fast alle einen Mundschutz. Am Health Check angekommen, wird unser Formular, welches schon im Flugzeug ausgefüllt werden musste, kontrolliert und wir kriegen den nötigen Stempel. Bereits an diesen Health Check-Schaltern lockert sich die Mundschutz-Mania etwas. Danach geht es ganz flott und problemlos durch die Passkontrolle und den Zoll. Keine Schikanen, aber auch kein Lächeln - halt Routinearbeit.
Am Schalter noch schnell ein paar Rupien wechseln und dann geht es raus und wir finden sofort unseren Fahrer vom Anoop Hotel, der uns freundlich begrüsst. Beim Verlassen des Flughafengebäudes erwarte ich eigentlich die berühmte grosse Menschenmenge, doch es ist alles friedlich und relativ ruhig. Auf dem Parkplatz steht dann ein winzig kleines Auto für unseren Transfer zum Hotel bereit. Wir SchweizerInnen hätten wohl gar keine Anstalten gemacht, auch nur einen Versuch zu starten, das ganze Gepäck und uns fünf Personen mit Fahrer in das Auto zu bringen. Aber eben, wir sind ja nicht mehr in der Schweiz...
So pferchen wir uns rein, eh schon total verschwitzt, und los geht die Fahrt. Der Linksverkehr ist etwas gewöhnungsbedürftigt und die Fahrweise entspricht dem Gelesenen im Reiseführer. In erster Linie wird mit der Hupe gefahren. Dann kommt das Gaspedal, gefolgt von der Lichthupe und ganz zum Schluss, kurz vor dem Zusammenstoss, wenn's gar nicht mehr anders geht - die Bremse. Die Kinder finden es natürlich toll: auf dem Schoss der Eltern sitzen dürfen, sich nicht anschnallen müssen, das Fenster ganz offen haben und es wird gehupt, was das Zeug hält. Indien macht sooo Spass! Und strassenverkehrsgesetzmässig wird es eigentlich nur beim Tanken seriös, da dürfen nämlich keine Leute im Auto sitzen.
Auf der Fahrt gibt es trotz Dunkelheit einiges zu sehen. Vor allem beeindrucken die Menschen, welche überall am Strassenrand schlafen.
Schliesslich kommen wir im Anoop Hotel an und können einchecken. Anstatt der zwei bestellten Doppelzimmer ohne Air Condition und ohne Fernseher, gibt es für uns ein Drei-Bett-Zimmer mit Flachbildschirm und Air Condition. Die Air Condition funktioniert zwar zum Glück nicht, doch wir haben einen Ventilator an der Decke, der uns angenehm fast aus dem Zimmer windet. We love it!
Es ist zwei Uhr morgens und wir genehmigen uns vor dem ins Bett gehen noch einen Schlummertrunk (no alcohol!) auf dem Dachrestaurant unseres Hotels, welches 24 Stunden am Tag offen hat. Der Mond steht hoch am Himmel, Wolken ziehen vorbei, die Stimmung ist wunderbar, die Kinder noch ganz aufgekratzt.
(Rémy)
Der Flug war sehr angenehm und kurzweilig. Zudem wurden wir noch speziell von Flight Attendant Silvia Brugger verwöhnt, die wir privat kennen und die es geschafft hat, ihren Einsatz auf unseren Flug zu legen. So wurde der eh schon gute Swiss Service noch zusätzlich mit Business-Stuff für die Schischigagas angehoben und wir konnten sogar einen Besuch im Cockpit machen, was seit 9/11 eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit ist.
Nach dem Verabschieden von der Crew geht es raus aus dem Flugzeug und rein in die Wärme. Von Afrika her sind wir einiges gewöhnt, so dass uns die 34° C nicht wirklich umhauen und wir fröhlich drauflos schwitzen. Als erstes geht es zum Health Check, der wegen der Schweinegrippe eingeführt wurde, welche in Indien (noch) nicht Fuss gefasst hat. Die Airport-MitarbeiterInnen, welche vor dem Health Check im Einsatz sind, tragen fast alle einen Mundschutz. Am Health Check angekommen, wird unser Formular, welches schon im Flugzeug ausgefüllt werden musste, kontrolliert und wir kriegen den nötigen Stempel. Bereits an diesen Health Check-Schaltern lockert sich die Mundschutz-Mania etwas. Danach geht es ganz flott und problemlos durch die Passkontrolle und den Zoll. Keine Schikanen, aber auch kein Lächeln - halt Routinearbeit.
Am Schalter noch schnell ein paar Rupien wechseln und dann geht es raus und wir finden sofort unseren Fahrer vom Anoop Hotel, der uns freundlich begrüsst. Beim Verlassen des Flughafengebäudes erwarte ich eigentlich die berühmte grosse Menschenmenge, doch es ist alles friedlich und relativ ruhig. Auf dem Parkplatz steht dann ein winzig kleines Auto für unseren Transfer zum Hotel bereit. Wir SchweizerInnen hätten wohl gar keine Anstalten gemacht, auch nur einen Versuch zu starten, das ganze Gepäck und uns fünf Personen mit Fahrer in das Auto zu bringen. Aber eben, wir sind ja nicht mehr in der Schweiz...
So pferchen wir uns rein, eh schon total verschwitzt, und los geht die Fahrt. Der Linksverkehr ist etwas gewöhnungsbedürftigt und die Fahrweise entspricht dem Gelesenen im Reiseführer. In erster Linie wird mit der Hupe gefahren. Dann kommt das Gaspedal, gefolgt von der Lichthupe und ganz zum Schluss, kurz vor dem Zusammenstoss, wenn's gar nicht mehr anders geht - die Bremse. Die Kinder finden es natürlich toll: auf dem Schoss der Eltern sitzen dürfen, sich nicht anschnallen müssen, das Fenster ganz offen haben und es wird gehupt, was das Zeug hält. Indien macht sooo Spass! Und strassenverkehrsgesetzmässig wird es eigentlich nur beim Tanken seriös, da dürfen nämlich keine Leute im Auto sitzen.
Auf der Fahrt gibt es trotz Dunkelheit einiges zu sehen. Vor allem beeindrucken die Menschen, welche überall am Strassenrand schlafen.
Schliesslich kommen wir im Anoop Hotel an und können einchecken. Anstatt der zwei bestellten Doppelzimmer ohne Air Condition und ohne Fernseher, gibt es für uns ein Drei-Bett-Zimmer mit Flachbildschirm und Air Condition. Die Air Condition funktioniert zwar zum Glück nicht, doch wir haben einen Ventilator an der Decke, der uns angenehm fast aus dem Zimmer windet. We love it!
Es ist zwei Uhr morgens und wir genehmigen uns vor dem ins Bett gehen noch einen Schlummertrunk (no alcohol!) auf dem Dachrestaurant unseres Hotels, welches 24 Stunden am Tag offen hat. Der Mond steht hoch am Himmel, Wolken ziehen vorbei, die Stimmung ist wunderbar, die Kinder noch ganz aufgekratzt.
(Rémy)
Varanasi - Artikel im Magazin des Tagesanzeiger
Hier noch etwas Lektüre zum Einstimmen...
http://dasmagazin.ch/index.php/heiliger-wahnsinn/
Dies ist der letzte Eintrag aus der Schweiz. Der nächste ist dann vor Ort. Wir sind seeehr gespannt, was uns erwarten wird.
Bis bald!
Schischigagas
http://dasmagazin.ch/index.php/heiliger-wahnsinn/
Dies ist der letzte Eintrag aus der Schweiz. Der nächste ist dann vor Ort. Wir sind seeehr gespannt, was uns erwarten wird.
Bis bald!
Schischigagas
Sonntag, 2. August 2009
Wir sind startklar!!!
Freitag: Aus unserem schönen Haus ausgezogen...
Samstag: Vespa noch schnell verkauft...
Sonntag: Auto weitergegeben...
Montag: India hold on! We are coming...
Samstag: Vespa noch schnell verkauft...
Sonntag: Auto weitergegeben...
Montag: India hold on! We are coming...
Dienstag, 28. Juli 2009
Artikel in der Solothurner Zeitung
Die lokale Presse zeigt Interesse an unserem Vorhaben. Hier der Link dazu:
http://www.a-z.ch/news/vermischtes/leben-in-einfachen-verhaeltnissen-2412427
http://www.a-z.ch/news/vermischtes/leben-in-einfachen-verhaeltnissen-2412427
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