Samstag, 29. Mai 2010

Zum letzten Mal

Zum letzten Mal...
vor Sonnenuntergang vor unserem Guesthouse sitzen und Räucherstäbchen gegen die Moskitos anzünden, zum letzten Mal im Girlshostel essen, einen Vorinsbettgehen-Tschai trinken, in diesem Bett schlafen, wo wir so oft geschwitzt und teilweise auch gefroren haben, die Wächter auf ihrem Rundgang hören, dem Tempelgesang horchen, zum letzten Mal im Kiran aufwachen, den letzten Tschai kochen, all die vielen Staffs mit einem Namaste grüssen, letzte persönliche Gespräche führen. Ein letztes Mal in der Kantine Jawal, Dhaal und Sabji essen, bei Rajkumar einen letzten Kaffee trinken und ihn hören sagen "yes a how are you? very fine. yes coffee. is a very strong. you're my father, yes bohot achaa, yes, yes...", ein letztes Mal packen und ein (vorerst?) letztes Mal sich vom Kiran verabschieden...

Danke Sangeeta - Bohot thanyavad Kiran!

Tränen gibt es diesmal nicht. Es ist kaum noch jemand da im Kiran zum Nachweinen. Und wir verabschieden uns ja jetzt bereits zum dritten Mal. Doch trotz aller Freude aufs nach Hause kommen, schwingt auch diesmal etwas Schwermut mit. Auf der Fahrt Richtung Bajao, wo wir die letzten Eindrücke der unmittelbaren Kiran-Umgebung aufsaugen, bleibt mein Blick für einen kurzen Moment auf einem der vielen gelben Telefonmasten mit der Aufschrift VARANASI hängen. Und ich sage zu mir: "Ich komme wieder!"
(Rémy)

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Mittwoch, 26. Mai 2010

Im Heiligen Wasser

Heute morgen stehe ich um halb sechs Uhr auf. Schlinge meinen Lunghi um meine Hüften, packe Seife und eine frische Unterhose in einen Plastiksack und mache mich auf den Weg zur Ganga. Im Kiran sind natürlich schon etliche Leute wach, die Temperaturen sind um diese Tageszeit noch ganz angenehm, es weht ein leichter Wind und die Sonne versteckt sich noch etwas hinter einem Dunstschleier. Gemütlich schlendere ich in Richtung Farm, um den Hinterausgang zu nehmen und übers Feld zu gehen. Die vielen Kühe in der Farm sind natürlich auch schon wach, beachten mich aber nicht besonders. Vom Feldweg aus sehe ich schon etliche Menschen in Richtung Ghat wandern oder fahren. Die meisten besuchen wohl den Sulthankeshwar-Tempel und werden dann anschliessend (oder vorher? - ich weiss es nicht), ihr Morgenbad nehmen. Beim Tempel ist schon einiges los, es wird palavert und Tschai getrunken. Am Ghat hat es auch schon Arbeiterinnen und Arbeiter, welche bereits am Schuften sind. Die eh schon riesige Treppe wird scheinbar noch mehr verbreitert.
Ich setze mich zuerst ein bisschen auf die Stufen und schaue dem Treiben zu. Eine Gruppe junger Männer geht hinab zum Ufer, wo schon ein paar am Baden sind. Ich warte noch etwas, geniesse die Ruhe und um diese Zeit kommt auch niemand vorbei, um zu fragen woher ich komme, wie ich heisse und so weiter und so fort. Es ist angenehm. Links unten am Ufer hat es ein paar Frauen und Kinder, die baden. Die Frauen natürlich in voller Montur. Mehr rechts sind die Männer, sie gehen in den Unterhosen ins Wasser. Auch die Gruppe junger Männer geht jetzt ins Wasser, nachdem sie zuerst auch den anderen beim Baden zugeschaut haben. Da ich mich als Bleichgesicht nicht so stark exponieren will, warte ich, bis diese fertig sind und sich wieder treppauf auf den Rückweg machen.
So, jetzt sind nur noch ein paar Wenige da und die Sonne scheint nun mittlerweile auch auf die Ganga, welche sehr wenig Wasser führt. Das ist jetzt ein guter Moment und ich gehe seelenruhig zum Flussufer, um nach fast 10 Monaten, kurz vor unserer Abreise, doch noch ein Bad in der Ganga zu nehmen. Ich will mir hier nicht die Seele reinwaschen, wie die indischen Pilger, aber mehr als ein halbes Jahr praktisch am Ufer der heiligen Mutter Ganga gelebt und nicht im heiligen Wasser gebadet zu haben, das kann es doch nicht sein, oder?
Lunghi und T-Shirt ziehe ich aus und marschiere in den Unterhosen ins Wasser, das eigentlich noch ganz sauber, also wenigstens nicht dreckig, wenn auch nicht ganz klar aussieht. Nach ein paar Metern stosse ich ab und mache meinen ersten Schwimmzug. Ja und jetzt begreife ich auch, wie es Sämi geschafft hat, in den tosenden Wellen des Bengalischen Golfes seine Unterhosen zu verlieren, denn meine habe ich plötzlich auch fast in den Kniekehlen. Ach ja, am A... fehlen wohl auch ein paar Pfunde. Das wäre lustig gewesen, wenn ich Bleichgesicht, dann füdliblutt zu meinem Lunghi hätte schleichen müssen...
Vielleicht wäre es auch nur halb so schlimm gewesen, denn die paar Männer, welche sich ebenfalls am Ufer oder im Wasser befinden, finden es scheinbar ganz normal, dass ich hier baden gehe. Das ist wirklich toll. Das Wasser ist angenehm frisch, ich schwimme ein paar Meter, gehe dann ans Ufer zurück und seife mich von oben bis unten schaumig ein, halt wie ich es bei den Indern abgeschaut habe. Das Zähneputzen mit Gangeswasser lasse ich aber aus. Ich habe wohlweislich die Zahnbürste daheim gelassen und stürze mich dann - etwas vorsichtiger - nochmals in die Ganga, um noch ein paar Mal, genau gesagt drei Mal in Richtung Sonne, unterzutauchen.
Seelisch und ich glaube auch körperlich nicht unbedingt porentief reingewaschen, aber doch mit einem guten Gefühl, mache ich mich anschliessend auf zurück ins Kiran. Auf dem Feldweg begegne ich noch ein paar wilden, wunderschönen Pfauen und als ich bei der Farm vorbeispaziere, beginnt es doch tatsächlich zu regnen. Nur kurz, aber es ist ein wunderbares Gefühl.
Zu Hause schlafen noch alle. Eigentlich schade, denn diese Morgenstunden sind wirklich die besten des Tages...
(Rémy)

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Samstag, 22. Mai 2010

Wieder im Kiran

Seit Mittwochmorgen früh sind wir wieder im Kiran. Einige haben ganz schön gestaunt, dass wir wieder aufgekreuzt sind, andere habens durchs Buschtelefon schon erfahren. Alle begrüssen uns freudig.
Die meisten kleineren Kinder sind schon in den Sommerferien. Das Kiran beginnt sich langsam zu leeren. Auch mein Trainee Rahul ist schon in einen Ashram abgereist und kann dort etwas andere Luft schnappen. Im ersten Moment bin ich etwas enttäuscht, habe ich mich doch gefreut, ihn nochmals zu sehen. Aber wahrscheinlich ist es besser so, denn Rahul kämpft ja immer sehr stark mit dem Abschiedsschmerz. Und so bleibt uns das jetzt erspart. Im Boyshostel sind praktisch alle schon ausgeflogen und auch im Girlshostel hat es nur noch ein paar wenige. Um 17 h ist wieder mal ein Spezialprogramm angesagt. Jeden Monat führt das Kiran ein sogenanntes "Awarness"-Programm durch, um die Leute an den verschiedensten Orten in und um Varanasi auf das Kiran aufmerksam zu machen, Hemmungen abzubauen, eine Brücke zu schlagen und Leute dazu zu ermuntern, dass sie mithelfen, die Arbeit im Kiran zu unterstützen. Heute findet das Ganze ausnahmsweise im Kiran statt und die Dorfbewohner aus der nächsten Umgebung sind dazu eingeladen. Das Summer-Camp, eine Spezialwoche, die jedes Jahr im Kiran durchgeführt wird, geht heute zu Ende und so werden diverse Produktionen, welche im Camp einstudiert worden sind, präsentiert. Hauptthema ist der Umweltschutz im Alltag. Das Ganze dauert wie immer sehr lange und ich merke, dass ich nicht mehr soviel Übung im Sitzen am Boden habe, wie auch schon. Auch fehlt mir etwas Polsterung am Hintern. Überhaupt sagen alle hier, wir hätten abgenommen in den vergangenen 2 1/2 Monaten und ob wir eigentlich nichts gegessen hätten. Dabei liessen wir es uns doch gut gehen. Aber die Hitze trägt wahrscheinlich auch noch dazu bei, dass man hier nicht zuviel Fett ansetzt. Als ich mir das Familienfoto vom letzten Blog anschaue, finde ich selber, dass ich schon etwas an Gewicht verloren habe. Erst recht staune ich, als ich anderntags, seit fast einem Jahr, wieder mal auf eine Waage stehe. 74 kg!!!! Das sind ja mehr als 10 kg weniger, als mein Durchschnittsgewicht!?! Aber eben, no sports, no alcohol, means no muscles, no beer belly. Auf alle Fälle fühle ich mich pudelwohl und das ist ja die Hauptsache.
Die Hitze hier ist wirklich enorm, immer so um die 45°C. Am meisten zu spüren kriegen wir das an unserem ersten Tag hier im Kiran, als Freund Uttar wieder mit dem Strom spielt, ihn abschaltet und praktisch den ganzen Tag vergisst, ihn wieder anzuschalten. Unser Inverter läuft auch nicht, da er irgendwie falsch angeschlossen ist und so haben wir gar keinen Strom. Kein Ventilator geht, das Wasser kommt fast kochend aus den Leitungen, der Kühlschrank gleicht eher einem Backofen und im Bassin ist natürlich auch kein Wasser, weil kein Strom zum Pumpen vorhanden ist. Om shanti! Wenigstens wird der Inverter noch richtig angeschlossen, aber am Abend, als es wieder ein bisschen Strom gibt, reicht das natürlich nicht zum richtig Aufladen. So beginnt das Teil mitten in der Nacht ohrenbetäubend zu pfeifen. Das heisst "battery empty". Da gibt es nur noch eine Massnahme. Unter die Dusche, zusammen mit einem Lungi (indisches Hüfttuch), sich ja nicht abtrocknen, sich pflotschnass ins Bett legen und den nassen Lunghi über sich legen. Das wiederholt sich dann immer wieder...
Mittlerweile funktioniert aber unser Inverter wieder tadellos und auch Freund Uttar spielt nicht mehr ständig mit dem Stromschalter. Wahrscheinlich wollte er uns nur zeigen, dass wir wieder zurück in Uttar Pradesh sind und er hier das Sagen hat ;-)
Das Kiran leert sich immer wie mehr und jetzt sind ausser dem Staff und den Trainees fast keine Leute mehr hier. Beim Essen im Girlshostel sind wir kaum noch zu zehnt, alles wirkt sehr leer. Doch wir geniessen es hier trotzdem und werden ca. noch eine Woche bleiben, weil die Hitze hier am besten zu ertragen ist. Sicher werden wir dann gegen Ende nächster Woche nach Delhi weiterziehen. In Agra wollen wir natürlich unbedingt noch den Taj Mahal besuchen - Hitze hin oder her. Ob wir den geplanten Abstecher in Richtung Rajasthan noch machen und wenn ja für wie lange, wissen wir noch nicht...
Definitivistnurdasswiramaberdaswissenjasicherehschonfastallealsodasswirdannfallsnichtsmehrdazwischenkommtichdenkedaanirgendwelcheaschewolkenodersoalsodasswirdannzubeginndeskommendenmonatsdasheisstamerstenfreitagdeskommendenmonatswasgenaugesagtamviertensechstenzweitausendundzehnistwiederschweizerbodenbetretenwerdenundweresnochnichtwussteundzufaulistdiesesgeschreibselzuentziffernweisseshaltimmernochnicht...

Also wir freuen uns seeeeehhhhhhhrrrrr auf zu Hause und bringen dann ganz sicher und definitiv die langersehnte Wärme mit.
(Rémy)

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Donnerstag, 20. Mai 2010

Zugfahrt Chennai - Varanasi

Mein Geburtstag war übrigens total schön, friedlich und gemütlich und im Nachhinein bin ich so froh, dass es mit dem Zugbilett für den 15.5. nicht geklappt hat. Rémy hat die Tickets für Montag ergattert, mein grösstes Geschenk! Swamy vom Bob Marley hat mir die wunderbar kitschige Geburtstagstorte besorgt, den Tisch mit einem roten Stofftischtuch und einer Ananas als Deko geschmückt, mir eine wunderschöne Jasminblütenkette geschenkt und noch ein Bild mit schönem Spruch. Von den Kindern habe ich auch kleine Geschenke bekommen und ich habe mir ein "Om-Windlicht" gekauft, welches von einem Steinmetz von Hand gemacht wurde und zwei Tops, welche von einem Schneider genäht wurden – ihr seht, ich habe es mir gut ergehen lassen, das wäre im Zug niemals möglich gewesen... Das leckere Nachtessen gemeinsam mit den beiden Schwedinnen war schlichtweg eine Wucht: Drei riesige Fische und viel Gemüse mit Frischkäse, ganz wunderbar gekocht. Abgetanzt wie geplant haben wir dann doch nicht, einfach den schönen Abend mit guter Musik ausklingen lassen, sozusagen nur "gechilled"...

Samy hat seit Freitag tatkräftig im Bob Marley mitarbeiten geholfen. Zuerst noch vorwiegend in der Küche, nachher auch langsam im Service. Am Sonntag hat er dann vollen Einsatz geleistet: Bestellungen entgegengenommen, serviert, sogar Shakes selber gemacht, Geschirr abgeräumt, geputzt, aufgeräumt – wirklich super Einsatz, Swamy war froh um seine Mithilfe und Samy hats sehr gerne und gut gemacht.

Unser letztes Familienfoto im Bob Marley

So machen wir uns am Montag, nach der Packerei und der Verabschiederei von den lieben Leuten im Guesthouse auf, unsere "Heimreise" anzutreten. Unser Ziel ist das rund 2350 km entfernte Kiran, unser indisches Zuhause. Am Busbahnhof ist unser Bus schon voll und wir warten auf den nächsten. Als dieser aber innerhalb 15 Min. nicht kommt – normalerweise warten wir nicht solange! – entschliessen wir uns, halt trotzdem den AC (Klimaanlage) Bus zu nehmen, den wir eigentlich nicht wollen und der erst noch 3x teurer ist. Die Kinder beginnen schon bald zu murren, es sei zu kalt und sie möchten nicht mehr AC fahren... Da können sie sich ja freuen, denn der Zug wird auch klimatisiert sein (übrigens auf ihren Wunsch hin).

Im Bahnhof von Chennai decken wir uns mit den obligaten Biscuits und Wasservorräten ein. Der Zug fährt eine halbe Stunde vor Abfahrt ein und wir beziehen unser Zuhause für die nächsten ca. 38 Stunden. Die beiden Leute mit welchen wir das Abteil teilen, möchten ihre Plätze nicht mit unseren Seitenplätzen, welche wir noch haben, wechseln. Schade, spielen geht so gut, wenn wir ein Abteil für uns alleine haben. Die Frau – es sind Mutter und Sohn – schaut sehr ernst und verbittert drein und würdigt uns keines Lächelns. Schon bald merken wir auch, warum: Sie muss unter wahnsinnigen Schmerzen leiden. Ihr Sohn reibt ihr die Schulter ein, gibt ihr tonnenweise Medikamente und spritzt ihr auch 2x täglich irgend etwas in den Oberschenkel. Wahnsinn, wie er sich um sie kümmert! Die beiden sind angenehme, ruhige "Mitbewohner".

Um 21.00 Uhr, Sämi hat schon geschlafen, Alice und ich annähernd, kommt endlich unser Znacht, auf welchen wir so lange gewartet haben. Nach dem Essen gehen wir alle sofort schlafen, wir sind k.o.

Heute, Dienstagmorgen ertönt es dann um 06.00 Uhr, ca. im 10 Min. Takt, mit lauter, kräftiger Stimme: "Chai, Coffee, Chai". Von mir aus hätten die schon noch ein bis zwei Stunden warten können... Louis ist am Bellen und Nase putzen wie ein Wilder: Er hat sich total erkältet, Klimaanlage (die Wolldecke hat sicher auch noch mitgespielt) sei Dank! Seine Augen sind wiedereinmal wie "geklöpfte" Sicherungen, total geschwollen und gerötet. Noch 24 Std. dann ist's wieder vorbei mit der Klimaanlage und wir werden vielleicht schon bald sehnsüchtig an diese zurückdenken.

Unser Zugtag geht relativ kurzweilig vorbei: Hausaufgaben, (nur) ein Dog-Spiel (wegen den Platzverhältnissen), zu den Fenstern herausschauen, die leider sehr dreckig sind, obwohl sie heute zweimal geputzt werden (der Dreck und das Kondenswasser bleiben leider innerhalb der Doppelscheibe hängen!). Erst gegen Abend beginnen die Kinder etwas "aufzudrehen" und etwas wild zu spielen, aber egal, ist ja normal. Das offizielle Znacht vom Zugpersonal haben wir heute abbestellt, weil das wieder erst um 20.30 Uhr serviert wird. Wir haben uns an einem Halt mit Bananen, Pakoras, Chips etc. eingedeckt. So sind wir alle um 19.30 Uhr bereits in unseren Betten und hoffen, nochmals gut zu schlafen. Um 21.30 Uhr dann noch ein "abruptes" Intermezzo: Unsere Mitbewohner bekommen Besuch, zünden das Licht nochmals voll an und der Besuch redet extrem laut und in einer Selbstverständlichkeit! Ich werfe (zum ersten Mal in Indien!) meine Ohrenstöpsel ein und denke nur für mich "thats India"! und freue mich, wenn wir dann Morgen um ca. 07.00 Uhr (sofern keine Verspätung eintrifft – bis jetzt ist unser Zug "oberpünktlich") in "unserem" Varanasi eintreffen – Juppi Kiran!

Klar ist schon jetzt: Die AC-Buchung Varanasi – Delhi werden wir annullieren! Wir alle sind keine FreundInnen der Klimaanlagen und wir werden auf "sleeper" umbuchen, ohne AC!!!
(Claudia)

PS. Unser Zug hatte schlussendlich 40 Minuten Verspätung. Auf 38 ½ Stunden Fahrzeit, ist das schlicht sensationell!

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Samstag, 15. Mai 2010

Ticketing in Chennai

Um 4.30 h morgens weckt mich meine liebe Handy-Stimme und ich stehe endlich auf. Endlich, weil ich eigentlich schon länger nur noch im Halbschlaf schlummere und an unserem Zugticket rumstudiere. Ich verabschiede mich von unserem Geburtstagskind Claudia und mache mich auf zur Busstation, in der Hoffnung, Claudia mit einem Zugticket ein schönes Geschenk zu machen. Einige Menschen sind schon auf. Ganz viele schlafen aber noch vor ihren Hütten am Boden. Man stelle sich das mal in der Schweiz vor: ganze Familien schlafen draussen vor ihrem Haus, am Rande der Strasse. Unvorstellbar. Ein erster Bus rauscht vorbei, bevor ich an der Busstation ankomme. Das war er, der 4.50 h-er, der erste Bus nach Chennai... Ein Taxifahrer will mir weis machen, dass von hier keine Busse nach Chennai fahren, nachdem ich sein Angebot, mich im Taxi nach Chennai zu fahren, ausgeschlagen habe. Die wollen einen wirklich für blöd verkaufen und es gibt wahrscheinlich immer wieder welche, die auf solche Märchen reinfallen.
Bei einem Tschai-Walla genehmige ich mir einen ersten Tschai. Es gibt nichts Besseres zum Starten eines neuen Tages. Der nächste Bus fahre um 5.30 h und habe etwa 2 Stunden bis nach Chennai. Mist, das wird etwas knapp, wenn ich denke, dass ich um 8.00 h am Central Bahnhof sein sollte und in Chennai ja noch umsteigen muss, weil der Busbahnhof etwas ausserhalb liegt. Zum Glück stimmt aber auch diese Zeitangabe nicht. Um zehn nach fünf fährt nämlich schon der nächste Bus und da wir so früh am Morgen zügig unterwegs sind, kann ich um viertel vor sieben schon am Busbahnhof umsteigen. Cool, hoffentlich geht es dann mit dem Ticket auch so easy, denke ich. An der Central Railway hat es aber schon eine riesige Schlange. Wohl ein paar Hundert Leute, welche alle ein Tatkal-Ticket wollen! Und für einmal bin ich froh, dass ich ein Foreign Tourist bin, denn es hat für diese Spezies Menschen ein Extra-Office. Nur ein paar Nasen sitzen dort und warten. Sogar noch vor 8 Uhr kommt ein Beamter und setzt sich an seinen Computer und beginnt seine Arbeit. Nach kurzer Zeit fragt er in den Raum, ob noch jemand ein Tatkal-Ticket brauche und so komme ich noch vor allen anderen dran. Als ob es nichts Einfacheres gäbe, bucht er fünf Tickets in der Second-AC-Klasse, welche wir uns der Hitze und der langen Reise wegen gönnen wollen. Der Zuschlag ist minim und ich glaube es fast nicht, als ich kurz nach 8 Uhr unser Ticket in den Händen halte. Mein Herz springt vor Freude. Mir tun zwar die vielen Inder etwas leid, von denen die meisten wohl vergebens für ein Ticket anstehen, aber sie leiden ja jeweils auch nicht mit uns, wenn wir bei Eintritten das Zehnfache zahlen müssen, nur weil wir "Foreign Visitors" sind. Drum vergesse ich das Mitleid gleich wieder und lasse mir die Freude nicht verderben. Wir werden nun definitiv am Montag, 17.5.2010 um 17.35 h den Zug besteigen und am Mittwochmorgen um 7.05 h (+- ein paar Minuten oder Stunden) in Varanasi ankommen. Das mit dem Geburtstagsgeschenk hat wunderbar geklappt. Wir freuen uns alle riesig.

In der Schweiz wäre es absurd, wegen eines Zugtickets "schnell" 6-7 Stunden on the road zu sein. In Indien macht das aber durchaus Sinn. "Incredible India!"
(Rémy)

PS. Das Kerzenanzünden auf Claudias Geburtstagskuchen war wegen der erfrischenden Meeresbrise etwas schwierig. Dafür ging das Ausblasen ganz easy...


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Freitag, 14. Mai 2010

Geniessen in Mamallapuram

Am Montag, 10.5. treten wir unsere "Ultrakurzreise" nach Mamallapuram an. Die knapp zweistündige Busfahrt ist kaum der Rede wert!

So sind wir top-fit bei der Ankunft, beziehen unsere Unterkunft mit dem wunderschönen Namen "Lunamagica" und besichtigen das Dorf mit seinen Felsenreliefs, Höhlentempeln und dem "Butterball" von Krishna, ein riesiger, kugelrunder Felsblock, der ausschaut, als würde er jeden Moment davonrollen...

Mamallapuram ist klein, ruhig, übersichtlich und hat sehr viel Charme. Am Strand hat es viele Fischer, welche immer irgendetwas zu tun haben: Netze flicken, Dächer ihrer "Unterstände" mit neuen Palmenblättern ausbessern, Kartenspielen oder sonst irgendwie die Zeit vertreiben... Es ist spannend, diesen von unserer riesigen Terasse aus zuzuschauen. Auch schlafen viele Leute hier am Strand im Sand. Zum Teil kommen sie mit Mättelis und Decken daher, zum Teil legen sie sich einfach so in den Sand und schlafen.


Nur in unserer Unterkunft mit dem wunderschönen Namen herrscht "tote Hose". Die Kinder finden, das Doppelbett ist zu klein für alle drei und Rémy findet, der Raum ist zu eng und zu heiss. Ich finde einfach unsere riesige Terrasse den Hit, sonst ist das Ganze aber ziemlich leer und heruntergekommen.
So besuchen wir unseren direkten Nachbarn, "Bob Marley".
Seinem Namen treu läuft coole Musik, die Angestellten sind freundlich und nett, wir besichtigen die Zimmer und für (fast) alle ist sofort klar: Wir werden umziehen!

Am Mittwoch besuchen wir mit dem Bus eine nahegelegene Krokodil- und Schlangenfarm. Leider stellen wir schon am Eingang fest, dass die Schlangen schon in den Sommerferien sind, schade! So begnügen wir uns mit den Krokodilen und Alligatoren, von welchen es viele verschiedene Arten hat. Die Tiere werden hier sogar einmal "artgerecht" gehalten, d.h. sie haben schöne Anlagen und auch genügend Wasser. Es ist interessant.

Nachher besuchen wir noch ein nahegelegenes Felsenrelief. Da will uns doch ein Typ tatsächlich für "only" RS 400 als Guide anbiedern. Ich kann's kaum glauben: Das für ein einziges Felsenrelief und einen Tempel! Was der Typ uns da wohl erzählt hätte für dieses horrende Honorar? Normalerweise kosten die Guides um RS 100 - 200, die erzählen einem dann die Ohren voll für ein oder zwei Stunden...

Wir entschliessen uns, dass wir die rund 4 km dem Strand entlang nach Hause spazieren. Die Kinder baden immer wieder im Meer. Der Strand ist menschenleer, nicht einmal Fischer sind hier, nördlich von unserem Hausstrand. Sämi schafft es doch tatsächlich, seine Unterhosen im Meer zu verlieren, unglaublich. Zum Glück muss er sich keine Sorgen machen, es hat ja niemanden, den ihn sehen könnte (klar wir, aber das sind wir uns gewohnt, dass immer mal jemand "blutt" ist in unserer Familie).

Louis findet wieder einmal einen toten Fisch. Beim Fischen hatte er bisher noch kein Glück, aber tote Fische hat er schon viele gefunden. Den heute, trägt er mindestens während einer Stunde mit sich herum, spielt mit ihm, zeigt und erklärt ihm alles gerade so, als wäre es sein "Plüschtier"... Er gräbt ihm auch noch eine Behausung in den Sand. Es ist ein wunderschöner, friedlicher Familienspaziergang, den wir alle geniessen. Zu Hause angekommen, stärken wir uns alle und die Kinder stürzen sich wieder ins Meer. Sie geniessen es hier sehr, die Wellen sind angenehm und auch der Strand ist schön. Louis gräbt jeweils wie ein wilder im Sand. Manchmal Löcher und Staudämme, manchmal einfach dem Graben willen. Ich bin froh, so kann er endlich so richtig "Dampf" ablassen! Sämi (er nennt sich ja jetzt schon länger Samy) übt fleissig Saltos mit Anlauf in die Wellen und macht übrigens seit Neuestem täglich Sit-Ups, um mit einem Sixpack nach Hause zu kommen. Und Alice geniesst vor allem das "Dog" spielen, ihre grosse Leidenschaft. Sonst ist sie viel am Malen. Es ist unglaublich, wie schön sie Götter und andere Sachen abzeichnen kann. Sie hat mich mit meinen Malkünsten schon längst überholt... Rémy und mir ist auch sehr wohl hier. Es ist schön, immer wieder den Fischern am Strand zuzuschauen. Mamallapuram lebt und zwar wegen den Einheimischen, das ist schön!

Wir wären gerne am Samstag weitergereist, aber Rémy konnte unser Zugticket nicht online buchen, wegen dem Computer. Ihr wisst schon, der will einfach oftmals nicht so wie wir wollen... Und da hier in Tamil Nadu von 06.00 – 09.00 h immer Stromausfall ist, gibt es um 08.00 h, wenn wir buchen sollten, auch kein offenes Internet-Café. Bleibt nichts anderes übrig, als dass Rémy halt am Samstagmorgen früh den Bus nach Chennai nimmt um direkt vor Ort am Bahnhof unser Glück zu versuchen. Wenn's klappt, fahren wir dann am Montag weiter. Wenn nicht, müssten wir das Flugzeug nehmen. Das wäre dann aber schweineteuer und ebenso schade...

So werden wir hier in Mamallapuram weiterhin die angenehme Meeresbrise geniessen, das Leben der Fischer am Strand mitverfolgen, baden, graben, spielen und auftanken, damit wir gerüstet sind für die lange, lange Zugfahrt von Chennai nach Varanasi, welche ungefähr 38 Std. dauern dürfte... Aber eben, zuerst müssen wir noch das Glück haben und uns ein paar Tickets ergattern!
(Claudia)


Worauf wir uns am meisten freuen in der Schweiz:
Alice: Auf ihre SpielgefährtInnen und ihre Spielsachen
Louis: Aufs Grosi
Sämi: Auf Angelina (seine Tante)
Claudia: Auf euch, Familie und Freunde, unser Haus und Garten
Rémy: Auf ein Glas Wein mit Freunden im Garten an der Feuerstelle

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Sonntag, 9. Mai 2010

Tsunami

wir kommen gerade verschwitzt von einem spatziegang nach hause und wolen baden gehen da sagte ein polizist am tor man darf nicht baden gehen weil tsunami warnung sei.Wir diskutiren was mir machen solen.
Wir stimen ab das wir den tsunami von unserem bambus balkon 5m vom strand weg ansehen wolen.
das gibt sicher super fotos und filme die wir dan teuer fürkaufen können.wir warten und warten und es pasiert nichts.

keine angst im internet haben wir schon gesehen das die warnung schon aufgehoben ist.
(louis)

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