Dienstag, 15. September 2009

Einkaufsmarathon in Varanasi - ergänzt

Als um 06.40 h der Wecker (das Handy) klingelt, bin ich noch ziemlich verschlafen und wälze mich müde aus dem Bett. Zum Glück habe ich schon am vorigen Abend meine sieben Sachen für den heutigen Tag bereit gelegt.
Vorerst geht es aber ins Ravinivas zu Ravi. Claudia und ich wechseln uns täglich bei dieser Arbeit ab. Wie gewohnt ist er schon auf, das heisst, er liegt in seinem Zimmer am Boden. Heute ist er wieder mal gnädig mit mir und hat nur ein relativ kleines Geschäft in seinen Windeln. Zuerst trage ich ihn ins Bad, wo ich ihn entkleide. Mit dem Schlauch reinige ich zuerst seinen Allerwertesten ein bisschen. Dann setze ich ihn im Schneidersitz mit dem Rücken zur Ecke zwischen Wand und Badewanne. So kann er sogar alleine sitzen. Zur Sicherheit halte ich aber immer einen Fuss, vor seine Füsse, damit er mir nicht wegrutscht, wenn's seifig wird (was auch schon vorgekommen ist). Clementia gibt mir die elektrische Zahnbürste und dann wird geputzt, dass es schäumt und spritzt. Ravi mag das Gesurre und beisst immer wieder in die Zahnbürste. Anschliessend geht es mit dem Schlauch weiter. Ich mache einen auf die sanfte Tour und spritze Ravi langsam von unten nach oben ab - Clementia fängt meistens gleich beim Kopf an, aber ich bin halt ein "Softie" und mache einen auf Kneippen. Wie meistens glutscht Ravi vor Freude oder lacht sogar laut auf, selbst wenn beim Schrubben die Seife ins Gesicht läuft. Er ist schon ein wunderbares Kerlchen. Gemeinsam mit Clementia tragen wir ihn dann auf ein Bett, wo ich ihn trocken reibe, pudere und mit seinen Stoffwindeln einpacke. Das Anziehen der Hosen geht ganz flott und beim T-Shirt habe ich das Gefühl, dass er ab und zu sogar etwas mithelfen will. Je nach T-Shirt ist das durch seine Verkrampfungen manchmal halt ein bisschen ein Gemurkse. Fertig angezogen, hieven wir Ravi in seinen Rollstuhl und fixieren ihn bei seinen Hüften und an seinen Oberschenkeln. Jetzt kommt noch das Dessert, das Anziehen der Calipers (Beinschienen), welche Ravis Füsse, die oft verkrampft gestreckt und nach innen oder aussen gebogen sind, in einer normalen Position halten sollen. Wenn ich Ravis Fuss mit der einen Hand halte und ihm mit der anderen sanft über den Unterschenkel streichle, so gelingt es, seine Verkrampfung zu lösen und sein Bein in die Schiene zu bringen. Bin ich aber selber etwas ungeduldig, so glaube ich, überträgt sich das auch auf Ravi, der sich dann sofort wieder verkrampft. Wie gewohnt beginne ich mit seinem linken Bein, das etwas schwieriger in die Schiene zu bringen ist. Obwohl ich heute noch viel vor habe und jetzt am Morgen auch nicht soviel Zeit habe wie sonst, klappt es und Ravi macht gut mit. Zum Schluss kommt noch das Haaröl, an das ich mich auch schon gewöhnt habe, ins Haar und fertig ist unser Ravi. Ich verabschiede mich von ihm und Clementia und sage ihr, dass sich später Claudia um Ravi kümmern wird. Main City jaonga...
Auf dem kurzen Weg zurück in unser Guesthouse, gibt es die ersten "Namastes" links und rechts. Meine Lieben aber schlafen noch und wie gewohnt setzt ich den Chai auf und decke den Tisch. Auf der Jappati-Platte "toaste" ich die Brotscheiben und wecke dann die restliche Ischi Family auf.
Anders als sonst beginne ich schon mit dem Frühstück, weil ich heute bereits um 08.00 h am Eingangstor warten muss, um mit dem letzten Kiran-Bus in die Stadt zu kommen. Heute habe ich "Spezialprogramm" und gehe mit Bäckermeister Vinod für die Food Preservation Unit, die wir am Aufbauen sind, auf Einkaufstour. Es ist etwas stressig für mich, aber es reicht und pünktlich, wie sich das für einen Schweizer gehört, begrüsse ich kurz vor acht Uhr Torwächter Prem Bahadur beim Eingang. Somnath, ein Lehrling, erscheint ebenfalls und sagt, er gehe auch in die Stadt, so weiss ich, dass der Bus sicher noch nicht abgefahren ist. Ja, ja und selbstverständlich hätte ich locker noch die eine oder andere Schnitte essen können, weil wir beide noch etwa eine halbe Stunde warten... Der Morgen ist aber noch frisch, es ist nicht so heiss und so ist das Warten auch nicht mühsam. Die Angestellten des Kiran tröpfeln langsam herein, das Tor geht auf und zu und irgendwann kommt dann auch unser Bus.
Unterwegs nehmen wir eine für mich neue Route und fahren auf einer Strasse parallel zum Bypass, einer Art Autobahn. Aber eben nur so eine Art. Vierspurig zwar und in der Mitte sauber getrennt, aber am Rand sitzt auch schon mal einer mit seinem Schubkarren und verkauft seine Waren. Kurz bevor wir abbiegen, sehe ich sogar eine "Autobahnauffahrt". Oder ist es eine "Autobahnausfahrt"? Ich glaube, es ist beides: Auf einer Seite der Autobahn kann man einfach - so ziemlich rechtwinklig - drauf und drab fahren und auf gleicher Höhe dieses "Zubringers" ist die Trennung der Fahrbahnen in der Mitte aufgehoben, so dass quer über die Autobahn auf die Gegenrichtung gewechselt werden kann. That's India!
Im Suryoday angekommen, wartet bereits Vinod auf mich und zeigt mir seine Einkaufsliste: 1 Waage inkl. Gewichtssteinen, 1 Küchenmixergerät, eine Holzkelle, zwei Schüsseln, Plastikaufbewahrungsbehälter mit Deckeln in verschiedenen Grössen, eine Holzkelle, Citric Acid (Zitronensäure), Pektin und zwei Aufbewahrungsboxen aus Metall. Ja, in der Schweiz wäre das ein Fall für das Migros Ladendorf oder allenfalls fürs Shoppyland und man hätte innert kürzester Zeit alles eingekauft. Nicht so aber in Varanasi!
Zuerst fahren wir mit einer Fahrradritschka nach Godowlia (Quartier in Varanasi). Obwohl dieses ein von Touristen viel besuchtes Quartier ist, sind die Waren hier billiger als in Lanka. Hier wohnt Vinod schon seit Urzeiten und er zeigt mir, wo sein Zuhause ungefähr liegt. Es ist erst knapp halb zehn und die Läden machen erst um zehn / halbelf Uhr auf. So müssen wir uns noch etwas die Zeit um die Ohren schlagen. Zuerst gehen wir kurz ans Dasashwamedh Ghat und ich staune, wie hoch Mother Ganga hier ist.


An ein Spazieren von Ghat zu Ghat ist momentan nicht zu denken. Bei uns hat es ja nicht gerade viel geregnet, aber der heilige Fluss hat natürlich ein riesiges Einzugsgebiet und dort scheinen die Regenmengen deutlich höher gewesen zu sein. Das Dasashwamedh Ghat ist für die Pilger eines der wichtigsten. Der Ursprung seines Namens liegt in den Wörtern "das" und "ashwa". Bhrama soll als höchster Oberpriester hier zehn (das) Pferde (ashwa) geopfert haben, um die Menschheit vor einer drohenden Dürre zu retten. Er legte damit den mythologischen Grundstein Varanasis. Natürlich werde ich ständig angesprochen, ob ich nicht ein Boot mieten wolle oder ich nicht sonst eine Dienstleistung annehmen wolle. Mit einem "nahii nahii", gepaart mit einem Abwinken, wimmle ich die Schlepper ab. Wichtig dabei ist, den Leuten nicht in die Augen zu schauen, sonst verstehen sie das als halbes "Ja". Vinod zeigt mir noch eines seiner beiden Stamm-Chai-Lokale. Hier sitze er jeden Abend nach der Arbeit. Das andere Stammlokal liegt genau gegenüber des schmalen Gässchen, wo wir gerade sitzen. Vinod gönnt sich noch eine Zigarette (die kauft man hier einzeln), ich verzichte dankend, und als ich beim Hinausgehen frage, ob wir nicht noch zahlen müssten, meint Vinod, er zahle hier jeweils immer nur einmal in der Woche, am Samstag. Scheint wirklich sein Stammlokal zu sein...
Die Zeit geht einfach nicht vorwärts und so schlendern wir noch ein bisschen in Vinods Quartier rum. Die Gassen sind nur etwas mehr als einen Meter breit. Und trotzdem tummeln sich hier nebst den Fussgängern auch Kühe, Fahrräder und Motorräder rum. Ein Verkaufsgeschäft reiht sich ans andere, Vinod grüsst links und rechts - er ist wirklich hier zu Hause. Diese Gasse sei eine der Haupttourismus-Gassen. Ah ja??? Komisch, ich sehe praktisch keine Touristen... Quatsch, Rémy, Varanasi wird täglich von 50'000 - 60'000 indischen Pilgern besucht. Das sind die Touristen - ist ja klar! Im ersten Moment habe ich beim Wort "Touristen" natürlich nach Bleichgesichtern wie mich Ausschau gehalten.

Langsam gehen die Rollläden nach oben und die Ladenbesitzer bereiten sich auf einen neuen Verkaufstag vor. Eine junge Frau, bei der wir wegen den Plastikbehältern nachfragen, ist gerade dabei, ihren Laden bereit zu machen. Der Laden ist etwa 1.50 m breit und bis oben vollgestopft mit den verschiedensten Artikeln, die sie nun gemächlich runterhievt und teils auf der Gasse "ausstellt", so dass sie dann irgendwann auch ihren Verkaufstisch hervor gramschen kann. Zwischendurch spuckt sich kräftig auf die Strasse, etwas, was in Indien ganz normal, für uns Europäer im ersten Moment etwas gewöhnungsbedürftig ist. Selber hat sie die gewünschten Plastikbehälter nicht, weiss aber, was wir meinen und pfeift ihre jüngere Schwester herbei und trägt ihr auf, die Ware anderswo zu beschaffen. Wir warten ein paar Minuten und prompt kommt diese mit dem Gewünschten daher. Wenn nur alles so einfach wäre... Natürlich geht es nicht immer so schnell und wir gehen von Pontius zu Pilatus und legen lange Strecken zu Fuss zurück. Zu Fuss heisst aber nicht einfach geradeaus gehen, sondern man muss ständig schauen wohin man tritt, um nicht in etwas zu treten, sei dies jetzt ein Loch, eine Pfütze, Kuhmist, Abfall oder Betelspucke.

- Die Betelspucke sieht frisch fast aus wie Blut und "schmückt" die Strassen Varanasis und soviel ich weiss auch diejenigen im übrigen Indien praktisch überall. Das Kauen von Paan (Betel) ist in Asien weit verbreitet. Es ist so etwas wie eine Gesellschaftsdroge, vergleichbar mit dem Rauchen oder dem Alkoholkonsum in unseren Breitengraden. Selbstverständlich ist dies Männersache. Und wenn mann eben Paan im Unterkiefer hat, zwischen Zähnen und Unterlippe, so tönt auch deren Sprache entsprechend. Etwa so: ganschd du ma rübekome, isch wil di wasch dscheigen (kannst du mal rüberkommen, ich will dir was zeigen). Ja und die Zähne sehen entsprechend auch nicht gerade anmächlich aus... -

Und natürlich ist es in den Gassen eng, man muss Menschen, Fahrrädern, Motorrädern und Kühen ausweichen. Dazu ist es wie in den letzten Tagen mörderisch heiss. Ab und zu nehmen wir eine Fahrradritschka, weil's zum nächsten Quartier einfach zu weit ist. Vinod kennt natürlich die Preise und wird schon mal etwas laut, wenn einer zuviel verlangt. Meist willigen die Fahrer dann aber trotzdem ein, der kurze Disput um den Preis ist vergessen und unterwegs wird nett miteinander gesprochen und gewitzelt. Die Fahrradritschka-Fahrer sind wirklich nicht zu beneiden. Sie leisten harte Knochenarbeit! Die Ritschkas sind robust gebaut, haben ein entsprechendes Gewicht und natürlich keine Gänge zum Schalten. Wenn das Gefährt einmal rollt ist es gut, muss der Fahrer aber abbremsen, so muss er sein ganzes Körpergewicht verwenden, um das Ding wieder in Schwung zu bringen, ebenso wenn's mal kaum merklich ansteigt. Und die armen Kerle sind ja alle spindeldürr und bringen selber ja kaum Gewicht auf die Pedale.
Zeitweise herrscht ein heilloses Verkehrschaos und wir stecken in der brütenden Hitze im Stau. Zum Glück haben die Ritschkas ein raufklappbares Verdeck, das uns vor der Sonne schützt. Auch wenn ich, je nach Modell, ab und zu einen Buckel machen muss, weil ich zu gross bin, ist das immer noch besser als wie der Fahrer der gleissenden Sonne ausgesetzt zu sein. Zwei oder dreimal kommt es auch zu einem Zusammenstoss. Einmal fährt uns ein entgegenkommendes Motorrad voll vor die Ritschka, weil dessen Fahrer kurzfristig abbiegen wollte. Unser Fahrer hat eine gute Reaktion und kann so Schlimmeres verhindern. Glücklicherweise finden solche Missgeschicke meist mit nicht so hohem Tempo statt, da die Verkehrsdichte so hoch ist.
Auf einer Kreuzung erlebe ich etwas, was mir noch abends im Bett nachgeht. Es herrscht das totale Verkehrschaos und mitten auf der Kreuzung stehen ein paar betelkauende Polizisten in ihren braunen Uniformen, ein Gewehr umgehängt und in einer Hand einen Holzstecken, mit dem sie ihre kläglichen Versuche unternehmen, auf sich aufmerksam zu machen. Plötzlich sehe ich vor uns einen Ritschkafahrer, der absteigen musste, um sein Gefährt, welches mit einem Rad in einem der vielen Strassenlöcher steckte, wieder in Schwung zu bringen. Das braucht enorme Kraft und gelingt meist erst nach zwei drei Anläufen. Da kommt doch so ein uniformierter Depp (sorry für diesen Ausdruck, das ist nicht verallgemeinernd gemeint) und anstatt ihm zu helfen, haut er dem Ritschkafahrer mit dem Stecken auf die Beine und den Rücken wie einem Stück Vieh! Ich bin völlig perplex und kann gar nicht reagieren. Abends, versunken in meinen Gedanken, springe ich x-mal von der Ritschka, nehme dem Polizisten den Stecken weg, verbreche diesen mit einem dreifachen "Shanti" (Frieden) und helfe dem Ritschkafahrer sein Gefährt in Schwung zu bringen...
Vielleicht ist es aber auch besser, habe ich nicht so reagiert, ich habe schon gehört, dass es ziemlich mühsam sei, wenn man es mit der indischen Polizei zu tun bekomme. Von wegen "Dein Freund und Helfer!", das ist halt auch Indien...

Langsam beginnt mich der Hunger zu quälen und ich habe, oben auf der Ritschka sitzend, das Gefühl, die Stimmung auf der Strasse sei irgendwie stressiger und aggressiver als sonst. Aber eigentlich ist alles wie immer, trotz Chaos sehr friedlich, aber mit hungrigem Magen und durstiger Kehle, nehme ich alles anders war. Zuerst geht es aber noch in ein Elektronikgeschäft, wo wir uns wegen dem Küchenmixergerät umsehen. Um ein Uhr haben wir dort mit einem der Chauffeure abgemacht, der noch einen Ausweis mitbringt, der bestätigt, dass wir für eine Behinderten-Institution einkaufen. Dank diesem Ausweis - ich staune, dass es das in Indien gibt - erhalten wir noch einen speziellen Rabatt auf die Preise, welche hier im Elektronikgeschäft praktisch Schweizer Niveau haben.
Das Geschäft ist eigentlich pikfein, aber sogar dort ist einer der Verkäufer am Paan kauen und ist kaum zu verstehen. Spricht der jetzt Englisch, Hindi oder gar Schweizerdeutsch???

Dann endlich hält es auch Vinod nicht mehr aus und wir machen uns auf nach Lanka, um unser Material im Suryoday zwischen zu lagern und etwas essen zu gehen. Ich lade Vinod zum Mittagessen ein und wir gehen in ein ganz normales indisches Restaurant (die Karte ist nur auf Hindi). Auf die Frage, ob ich Lust auf Fleisch habe, antworte ich mit nein. Meine Fleischgelüste sind im Moment wirklich bei Null und so bestellen wir uns eine vegetarische Thali. Das Restaurant sieht zwar - für Schweizer Verhältnisse - ziemlich runtergekommen aus, aber das Essen schmeckt fantastisch. Es gibt speziellen Reis, Daal, normale und fritierte Jappati, zwei Gemüse an verschiedenen Currys, Salat (Gurken und Zwiebelringe) und sogar noch ein Sweet zum Dessert. Und das kühle Mineralwasser ist einfach göttlich. Wir schlagen uns die Bäuche voll, so gut das eben geht in dieser Hitze, und ich bezahle für das Ganze am Ende 100 Rupien, also nicht einmal Fr. 2.50!! Meine Güte und das Nutella für unsere Kinder kostet 200 Rupien...

Frisch gestärkt, machen wir uns wieder auf den Weg nach Godowlia, um noch die Metallwaren einzukaufen. Schliesslich finden wir die gesuchte Ware in einem einzigen Laden. Wie überall in solchen Shops, wird einem zuerst ein Sitzplatz angeboten und man sagt einem Verkäufer dann, was man möchte und lässt sich bedienen. Sogar die Holzkellen, die dort angeboten werden, scheinen Vinods Vorstellungen zu entsprechen. Beim Aussuchen der Schüsseln staune ich immer wieder, wie genau es Vinod nimmt. Zuerst wird lange nach der richtigen Grösse der Schüssel gesucht. Als diese endlich gefunden ist, lässt sich Vinod verschiedene Exemplare derselben Grösse geben und legt diese immer wieder auf die dort stehende elektronische Waage. Was macht der für ein Tamtam wegen dem Gewicht? Als ich merke, dass Vinod den Chefverkäufer immer wieder auf die Anzeige der Waage aufmerksam macht, dieser dann den Taschenrechner zückt und ihm den Preis mitteilt, realisiere auch ich es. Endlich kapiere ich, dass hier die Ware nicht wie bei uns nach Stück, sondern nach Gewicht bezahlt wird. Es kommt also darauf an, aus welchem Material die Ware ist und anhand des Gewichtes - auf ein Gramm genau! - wird der Preis ausgerechnet. Super! Als wir das letzte Mal Spaghetti gekocht haben, mussten wir uns im Girls-Hostels eine grosse Pfanne ausleihen und so entscheide ich mich kurzfristig, für uns eine Pasta-Pfanne zu kaufen. Es gibt solche, die aus der Fabrik kommen, das heisst Markenartikel, und es gibt die günstigeren, traditionellen, welche von Hand gemacht sind. Ich entscheide mich für letztere. Vinod macht mich übrigens noch darauf aufmerksam, dass ich, wenn diese Pfanne kaputt sei, sie einfach zurückbringen könne und ich würde dann für das Material, das dann wiederverwertet wird, noch ein paar Rupien zurückbekommen, je nach Gewicht natürlich. So guet!! So erstehe ich mir für 190 Rupien eine schöne grosse Pfanne mit Deckel und wieder einmal kommt mir das Nutella in den Sinn...

Beim Pektin haben wir kein Glück. Wir fragen uns durch die Gassen und jeder meint, ja, ja, dort und dort gebe es das, ganz sicher. Und als wir endlich doch fündig werden, gibt es das nicht in der gewünschten Kleinmenge, sondern nur per Kilo und zudem ist es schw... sehr teuer.
Etwa um 16.30 h kommen wir ziemlich fix und foxi wieder beim Suryoday an. Wir haben fast alles gekriegt und es bleibt mir noch eine knappe Stunde, um die Ischi-Family-Einkäufe zu tätigen. Als ich Vinod erzähle, dass ich beim Bypass für 30 Eier sagenhafte 100 Rupien bezahlte habe, verdreht er die Augen und sagt, das könne doch nicht sein. So gehen wir zusammen zum Eierkaufen. Beim ersten Stand auf der Strasse haben wir kein Glück. Der will nicht 30 Eier auf einmal verkaufen. Scheinbar macht er mehr Umsatz, wenn er diese einzeln verkauft. Die Hühner sind auch ziemlich eingepfercht und machen keinen glücklichen Eindruck. So gehen wir ein paar Schritte weiter und betreten einen Eierladen (Hühnerladen). Der ganze Raum ist gekachelt, vorne am Pult sitzt der Paan kauende Chef im trägerlosen, verschwitzten Unterhemd, unter dem sich sein riesiger Bauch abzeichnet. Im Hintergrund sitzt ein Mitarbeiter, ein Bein auf einem kopflosen Huhn, damit dieses nicht davonflattert, vor ihm auf einem Bock liegt der Kopf, dessen Schnabel sich noch auf und zu bewegt. Nur kurz, dann ist Schluss. In einer Ecke sind zig Schachteln mit Eiern aufgetürmt. - Jetzt nur nicht den Kopf verdrehen, liebe SchweizerInnen, in unseren Tierfabriken geht es ganz anders zu - Poulet lässt grüssen! - Ich kriege auf alle Fälle meine 30 Eier für sagenhafte 78 Rupien und dazu noch eine schön bunte Visitenkarte (nur in Hindi). Vinod sagt noch, der Preis könne sich hier auch ändern, gestern sei er bei 79 Rupien gewesen, aber nie 100 Rupien. Das sei Wucher!

Auf der Rückfahrt mit dem Kiranbus dauert der obligate 10-Minuten-Bypass-Stop zum Glück tatsächlich nur 10 Minuten (bin ich in der Schweiz??) und es ist auch kein aufdringlicher Fahrgast dabei, wie beim letzten Mal.
Zu Hause angekommen, schleppe ich das ganze Material ins Büro. Im Guesthouse ist es dunkel. "Wir sind am Frauen-Abend" steht auf einem Zettel. Unter der Dusche lasse ich den Tag noch einmal Revue passieren. Es war schön, aber trotzdem sehr streng. Ich bin fix und fertig...
(Rémy)

2 Kommentare:

  1. Super ausführlicher Bericht und mega interessant.
    Wir haben Varanasi auf Google Earth gefunden. Aber das ist ja mega gross. Den Bahnhof haben wir auch gefunden.
    Bitte gib uns mehr Details in welcher Richtung euer Kiran ist.
    Herzlich liebe herbstliche Grüsse
    Nicolette, Laura und Fabio (Dein Bericht war wie ein Guetnacht-Gschichtli für unsere Kids)

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  2. Dein Bericht ist wieder super interessant, danke für die genauen Ausführungen.Habe den Text auch den Kids vorgelesen, sie sind tief beeindruckt. Haben heute an der HESO eine Veloriksha gesehen, aha ... :)
    Haben auf Google Earth Varanasi gefunden. Kannst Du bitte genauere Angaben machen wo das Kiran etwa liegt. Das ist ja alles mega gross.
    Hebets guet und ganz liebi Grüess, Nicolette

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