Sonntag, 29. November 2009

Wilder Westen im Kiran-Teil II - Ist schon Advent???

Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor, seit ich mit dem Reiten begonnen habe. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, warum wir einen so "struben" Einstieg gehabt haben, denn in der Zwischenzeit sind Suraij und ich ein Herz und eine Seele: Er läuft an der Hand, zahm wie ein Lamm, schnappt nur noch selten nach mir und geniesst es auch, dass er nach getaner Arbeit jeweils einen Eimer Wasser von mir bekommt.
Da geben mir die Lehrkräfte noch länger zu beissen. Einige unterstützen mich, wo sie nur können, andere sind gar nicht gewillt, beim Projekt Reiten selber etwas dazu beizutragen, d.h. mir zu helfen die Kinder zu sichern welche am Reiten sind. Irgendwann habe ich es aufgegeben, die langen Diskussionen mit verschiedensten Leuten zu führen, die dann schlussendlich doch nicht zum gewünschten Erfolg führen. So habe ich mich entschieden, die ganze Sache selber anzupacken und "Familienintern" zu lösen: In Sämi und Louis habe ich zwei wunderbare Helfer gefunden, die kräftig und motiviert sind, die Kinder halten können oder auch zur Abwechslung mal das Pony führen. Ich bin richtig froh, sind sie den Umgang mit Pferden und Ponys gewohnt, Zehnder's sei Dank! Auch geniessen sie diese Abwechslung zum Schulunterricht in vollsten Zügen. An einem Morgen muss mir Sämi während zwei vollen Stunden helfen, d.h. wir gehen Kilometer weit, er ist danach total "k.o.", fällt nur noch ins Bett und sagt, er könne dann am Nachmittag nicht zur Schule. Nach ca. einer halben Stunde ist er aber wieder "regeneriert" und fit für die Schule am Nachmittag.
Die reitenden Kiran-Kinder geniessen die paar Minuten auf dem Rücken des Ponys meistens von Anfang an. Einige sind manchmal noch etwas ängstlich, versteifen sich und haben auch etwas Angst, aber alle können nach einigen Schritten Vertrauen fassen und sich der Bewegung des Ponys vollstens hingeben. Es ist auch spannend festzustellen, wie lange es dauert, bis ein Kind seine Anspannung oder Verkrampfung lösen kann und dafür ein Lächeln auf seinem Gesicht zeigt. Für mich ist es einfach nur unglaublich toll, so eine befriedigende Arbeit hier zu leisten, ich bekomme meinen "Lohn" immer unmittelbar von den Kindern selber.

Vor ca. zwei Wochen habe ich voller Schrecken festgestellt, dass schon bald erster Advent ist! Huch, mit dem habe ich noch überhaupt nicht gerechnet, denn ich wollte doch allen boys & girls von den Hostels ein Adventssäckli nähen für den Adventskalender. Ich merke, dass diese Aktion nur zu Stress führt, wenn ich diese jetzt wirklich verwirkliche, denn in meiner Freizeit hiesse das ab sofort: Nähen, nähen, nähen was das Zeug hält! Aber diesen Stress will ich mir wirklich nicht aufbürden, die Kinder hier bangen eh nicht auf Weihnachten, wie unsere Kinder normalerweise. Es ist so lustig, wie wir alle "0" Weihnachtsstimmung verspüren - und es ist einfach gut so! Ich merke aber, dass ich trotz allem "echli" etwas brauche und die Kinder das auch schätzen werden, einfach, damit Weihnachten nicht an uns vorbeigeht, und wir haben es nicht bemerkt! So gehe ich am Donnerstag - ja, ich habe einfach so einen freien Tag eingelegt - mit Ann, der Englischlehrerin von Irland, in die Stadt und wir verbringen einen fidelen Einkaufstag zusammen. Ich kaufe also vier rote Kerzen (d.h. weisse Kerzen, die mit einer transparentroten Folie eingewickelt sind) für ein Adventsgesteck und dazu noch ein kleines Schachteli bunter Krippenfiguren, die uns im Advent begleiten werden…
Heute, Sonntag 1. Advent, haben Louis und ich vor dem Brunch also ein Kartonkistli mit den vier Kerzen und viel Grünzeug beschmückt. Als wir im Garten damit beschäftigt sind, kommt ein Junge vorbei und fragt, was wir hier machen. Ich erkläre ihm, das sei etwas für "Advent". Dies ist natürlich ein Wort, das er nicht versteht und er sagt: "What Elefant?" Louis und ich schauen uns nur an und lachen! Unser Adventsgesteck schaut ganz nett aus, und wir entzünden die erste Kerze zum Brunch. Die neuen Krippenfiguren werden dazugestellt und Alice ist die nächsten 1.5 Std. damit beschäftigt mit diesen zu Spielen. So guet!
(Claudia)

1 Kommentar:

  1. so härzig, wie man aus wenig sooo viiiel machen kann. ich verstehe die sehnsucht nach heimat. wenn wir eure so ausführlichen berichte lesen, sind wir in gedanken immer bei euch. danke für den blog......liebe verschneite grüsse aus der schweiz......rösli

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