Donnerstag, 11. Februar 2010

On the road again...

Am Mittwochmorgen, 10.02.2010, auf den Tag genau fünf Wochen nach unserer Abreise vom Kiran, machen wir uns wieder auf den Weg zurück "nach Hause". Seit längerem weckt uns wieder einmal der Wecker (neidisch?) und mit dem Hoteltaxi erreichen wir kurz nach sieben Uhr den Busbahnhof in Kathmandu. Bevor ich unser Ticket löse, will ich die Vehikel sehen. Der erste Bus fällt gleich aus den Rängen, da auf einer Seite eine Scheibe fehlt. Auch die weiteren zwei drei können mich nicht überzeugen. Die Typen merken, dass ich nicht so schnell zu überreden bin. Als mir wieder einer so eine Schrottbüchse zeigt und ich sage, ich wolle einen neueren Bus, sagt er mir, dieser Bus sei neu, er sei erst zwei Jahre alt. "Look at me. If this bus is two years old, then my age is twenty years...", gebe ich ihm augenzwinkernd zu verstehen. Ob er den Witz mit seinen Englischkenntnissen begriffen hat? Ein uns versprochener "new" Bus will einfach nicht kommen, obwohl der Typ einige Telefongespräche führt. Nach dem ich mich davon überzeugt habe, dass alle Busse innen etwa den gleichen Komfort bieten, nehmen wir einen, dessen Anbieter (Ticketverkäufer) uns sympathisch ist.


Es ist eine gute Wahl. Der Preis stimmt (300 Nepalirupien pro Nase), die Bremsen funktionieren und der Fahrer ist kein Raser und fährt wirklich sehr ruhig und ohne zu stressen. Anfangs sind wir fast alleine, aber schon Ausgangs Kathmandu, nach etlichen Stopps, füllt sich der Bus zusehends. Zwischendurch, je näher wir der Grenze kommen, ist er wirklich gestossen voll. Einmal sitzt mir ein alter Nepali praktisch auf der Schoss und drückt mir zusätzlich seinen Rucksack ins Gesicht. No problem, er steigt bald wieder aus. Etwas später, kommt ein noch viel älterer Nepali, der kaum mehr Zähne hat in den Bus. Unser Ticketverkäufer lässt ihn gratis fahren, was ich sehr sympathisch finde. Der alte Nepali bedankt sich überschwänglich.
Gegen den Schluss, als die grossen Kurven und Berge hinter uns liegen, geht Sämi's Traum dann doch noch in Erfüllung und er steigt zusammen mit Claudia und Louis aufs Dach. Ich bleibe mit der schmollenden Alice und dem Gepäck unten. Einen Stopp weiter, geht dann auch Alice nach oben und als wir dann schliesslich noch den Bus wechseln müssen, weil unser in die Garage muss und der andere schon proppevoll ist und eh alles Gepäck umgeladen werden muss, gehe ich auch noch nach oben und wir geniessen en famille den Fahrtwind... (Film hier klicken)

Als wir in Sonauli am Busbahnhof einfahren, kommt eine ganze Horde gieriger Ritschkafahrer, etwa 15-20, auf den Bus zugerannt. Fünf Bleichgesichter, von weitem sichtbar auf dem Dach sitzend, das ist natürlich ein Fressen. Louis meint im ersten Moment, es seien Räuber, die uns überfallen wollen!! Mit vier Ritschkas ("You pay as you want") fahren wir Richtung Grenze, welche doch noch ein gutes Stück weiter weg liegt. Unterwegs wird angehalten, damit wir unsere Nepalirupien noch in indische umwechseln können. Ich nehme mal an, dass unsere Ritschkafahrer auch dort ihre Provision erhalten. Beim nepalesischen Zoll will ich nur schnell den "Austrittsstempel" holen, aber natürlich muss ich da noch fünf Formulare ausfüllen, was ziemlich dauert. Dafür habe ich aber genügend Zeit um Ausschau zu halten, ob der Kerl, welcher uns vor fünf Wochen für Louis illegalerweise 30 Dollar abgeknöpft hat, zugegen ist. Leider vergeblich. Ich zeige den Beamten, die Unterschrift auf Louis "Gratis-Visa" und sie bestätigen mir, dass der jetzt nicht hier sei. Ich lasse ihm Grüsse und ein schlechtes Karma ausrichten. Schliesslich entschuldigen sich die anderen sogar. Leider habe ich keine Quittung, sonst hätte ich sogar das Geld zurückgekriegt. Am indischen Zoll geht dann die Formularausfüllerei natürlich von Neuem los. Aber oha! Einer der Beamten hilft sogar beim Ausfüllen mit!?! Vielleicht ist das im dreifachen Visapreis inbegriffen ;-) Ohne ein Wort zu verlieren, von wegen zweites Visa oder so, kriegen wir den Eingangsstempel. Da wir unbedingt so schnell wie möglich nach Varanasi kommen wollen, fragen wir noch einen Beamten, ob es noch einen Nachtbus gebe. Er sagt, er würde uns das nicht empfehlen, da die Nachtfahrt nicht ungefährlich sei. Auf unsere Frage nach einem Hotel, gibt er uns eines an, welches er wirklich empfehlen könne und das auch preiswert sei. Wir bedanken uns und lassen uns von den Ritschkas dorthin führen. Komischerweise kommt der Typ auch mit und wir denken schon, der will dann noch Geld von uns kassieren. Aber es kommt noch besser: das Hotel scheint dem Typen sogar zu gehören!! Immerhin, es ist sauber, der Preis okay und dank ihm kriegen wir zum Doppelbett sogar noch eine zusätzliche Matratze und frisches Bettzeug dazu. Draussen bezahlen wir noch die Ritschkafahrer, welche uns jetzt schon über eine Stunde begleitet haben. Natürlich wollen sie mehr Geld, als wir ihnen geben wollen. Wir kennen aber die Ritschkapreise nach fünf Monaten Varanasi schon recht gut und finden, sie kriegen mehr als genug von uns. Und nachdem wir ihnen das erklären und nochmals darauf hinweisen, was sie selber gesagt haben: "You pay as you want", lassen wir sie stehen. Pech gehabt...
Das Hotel ist riesig, jedoch scheinen wir praktisch die einzigen Gäste zu sein. Das verlockt uns nicht wirklich zum dort essen und so gehen wir noch nach draussen und suchen in Sonauli nach einem Restaurant. Sonauli ist aber wirklich (sorry, ich finde kein passenderes Wort) zum KOTZEN! Die Strasse ist ein einziger Sumpf und voller stinkender und wartender Lastwagen, die Luft besteht mehr aus Abgasen als aus Sauerstoff und wir müssen uns vorsehen nicht wirklich noch zu kotzen. Meine Güte, diejenigen, welche dort wohnen und arbeiten müssen, das ist wahrscheinlich etwas vom Bittersten, das es gibt. In einer Spunte verdrücken wir ein paar Samosas, kaufen auf dem Rückweg noch etwas Proviant für die morgige Weiterreise ein und kämpfen uns durch Dreck und Gestank zurück ins Hotel. Da wir diesen schrecklichen Ort so schnell wie möglich wieder verlassen wollen, entscheiden wir uns, anderntags den ersten Bus in Richtung Sonauli zu nehmen. Dank einer Mückenspirale und da es auch nicht mehr so kalt ist, wie vor fünf Wochen, können wir sogar etwas schlafen...

"It's 4 o'clock. Time to get up. It's 4 o'clock. Time to get up..." Ja, um vier Uhr stehen wir wieder auf, um halb fünf sind wir mit unserem Gepäck bei den Bussen. Es ist noch dunkel und der staatliche Bus, welcher nach Varanasi fährt, sieht aus... Augen zu und durch! Wir wissen, dass ab jetzt keine Berge mehr kommen und dass es mehr oder weniger nur noch geradeaus geht. Zudem nehmen wir mal an, dass ein vom indischen Staat angestellter Chauffeur keinen Grund zum Rasen hat. Ausserdem sieht der Typ, soweit wir es im Dunkeln beurteilen können, ganz gemütlich aus, was sich schliesslich auch bestätigt.



Unser Gepäck können wir sogar vor uns im Bus deponieren, was uns auch recht ist. Und ein kurzer Blick zur Decke zeigt: Für den Notfall ist bestens vorgesort!


Wir staunen nicht schlecht, als der Schaffner uns mit einem Handcomputer à la SBB-Kondukteur unsere Tickets ausdruckt. Das passt so etwas von überhaupt nicht zu unserem Luxus-Bus!!! 208 Rupien pro Person. Da kann man nicht viel sagen... Aber auch nicht viel erwarten. Die Fahrt startet um fünf Uhr und es ist natürlich noch dunkel und es herrscht stockdicker Nebel. Mich dünkt, der Fahrer fährt praktisch blind, aber er scheint den Weg in- und auswendig zu kennen. Trotzdem sind wir dann froh, als die Sonne aufgeht und wir nicht nur schemenhaft wahrnehmen können, wie es draussen aussieht. Bei Tageslicht sieht unser Bus nicht wirklich besser aus - eher schlechter. Aber er fährt und fährt und fährt...
Hier ein kleiner Blick, bei Tageslicht, wie es in einem indischen Government-Bus aussieht. Hier klicken!

Auch von aussen, ist unser Bus ein Bijou...



Aber halb so schlimm, die Fahrt dauert ja nur 10 Stunden... Und die Sitze sind wirklich super bequem. Gäu Claudia!


Einzig ein oder zwei Po-Backen mehr und ein Ersatzrücken wären nicht schlecht gewesen, aber ansonsten ist alles okay. Um drei Uhr nachmittags kommen wir glücklich und zufrieden in Varanasi an. Und nach einigem gegenseitigen Suchen treffen wir sogar auf unseren Fahrer K.D. vom Kiran, der uns abholen kommt.

Es ist ein wunderbares Gefühl, als wir in die uns bekannte Gegend des Kirans kommen. Unterwegs kreuzen wir noch den Staff-Bus, von welchem uns die Leute ganz freudig zuwinken, am Bypass kaufe ich noch etwas Gemüse bei "unserer" Gemüsehändlerin und schon bald kommt das Kiran immer näher. Sorry, liebe Schweizer/innen, aber wir fühlen uns wieder "daheim angekommen". Die Freude und das Staunen ob unserer Ankunft ist gross. Ausser ein paar wenigen Eingeweihten, wusste noch niemand von unserer Rückkehr. Vielleicht haben sie auch einfach gedacht, wir glaubens erst, wenn sie dann wirklich da sind. Es tut so gut, wieder da zu sein, wieder ein Zuhause anstatt ein Hotelzimmer zu haben und im Grünen zu sein. Wir sind total müde und trotzdem aufgekratzt und ich frage mich schon, ob wir es schaffen werden, anderntags rechtzeitig aufzustehen? No problem! Anderntags ist Maha Shivrati - ein HOLYDAY...
(Rémy)

2 Kommentare:

  1. ende gut alles gut.........ich freue mich für euch, dass ihr wieder "zu hause" seid !!!

    geniesst die kommenden tage ;-)

    lg rösli

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  2. Spannende und aufregende Tage habt ihr erlebt, für uns Leser war es ebenso. Geniesst es wieder "zu Hause" und kommt etwas zur Ruhe. Und wie gehts jetzt weiter, ich bin ja so was von gespannt. Liebi Grüess us dr Narrestadt Solothurn Nicolette

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