Sonntag, 11. April 2010

Blickwinkel - Ansichtssache

So, wir haben schon etliche Reaktionen auf den Blog-Eintrag vom 5.4.10 (Hang loose in Payyoli) erhalten. Alle sind beeindruckt, dass wir hier soviel Strand und Palmen ganz für uns alleine haben. Aber es ist ein bisschen wie im Kino, im Fernsehen, im Radio, in einem Ferienprospekt oder in einer anderen Zeitschrift. Man sieht immer nur einen Blickwinkel, immer nur einen bewusst gewählten Ausschnitt. Doch das wirkliche Leben ist anders. Drum hier auch noch ein paar andere Blickwinkel:


Ansicht 1a
Grüne Idylle in Kerala. Im Hintergrund ein einfaches Fischerhaus. Kerala heisst "Land der Palmen", aber auch andere Pflanzen gedeihen in diesem warmen Klima wunderbar.

Ansicht 1b (Kamera etwas weiter nach unten geschwenkt)
Das Abfallproblem ist nicht gelöst. Abfall wird entweder selber verbrannt oder wie hier, in eine offene Grube geworfen und irgendeinmal dann zugedeckt...


Ansicht 2a
Fischeridylle an der Payyoli-Beach. Einfache Fischerboote, welche täglich ins Meer hinausgefahren werden, ruhen am Strand. Im Vordergrund schützender Blockwurf, welcher nach dem grossen Tsunami entlang der ganzen Küste erstellt wurde.

Ansicht 2b
Auch der Blockwurf dient als Abfallhalde für nahezu alles...


Ansicht 3a
Der Strand ist menschenleer. Hier findet man vom Tourismus noch unberührte Sandstrände.

Ansicht 3b
Währenddem die gelegentlichen, natürlichen Exkremente der Fischer von den Wellen weggespühlt und vom Ökosystem Meer auf ebenso natürliche Weise entsorgt werden, wird Plastik und anderer Müll an den Strand zurückgespült...

Auf diese Bilder kann man jetzt natürlich auf ganz verschiedene Arten reagieren. Bevor man sich aber empört oder kopfschüttelnd äussert, soll man sich doch schnell Folgendes in Erinnerung rufen:

Wie hat es bei uns in der Schweiz bezüglich Abfall vor 30 – 40 Jahren ausgesehen? Ich erinnere mich noch gut an die stinkende Abfallgrube in unserem Dorf.

Wieviel Abfall produziert eine Familie im Westen im Vergleich zu einer Fischerfamilie in Indien?

Wieviel Müll jeglicher Art wandert direkt von den Bohrinseln, Passagierschiffen, Frachtern, Tankern etc. direkt ins Meer, obwohl wir es doch eigentlich besser wüssten?

Wohin wandert wohl unser Atommüll? Wohin wohl unsere nicht reziklierbaren, giftigen Chemieabfälle?

Wer hat den ganzen Plastik-Scheiss – sorry, ich kann es nicht anders benennen - bis in die tiefsten Urwälder, bis in die Weiten der Wüsten verbreitet, ohne sich auch nur den kleinsten Gedanken (mal abgesehen vom Profit-Gedanken) darüber zu machen, was die Folgen daraus sind?

Trotzdem, im Herzen bin ich halt immer noch Schweizer und störe mich natürlich an solchen Zuständen, bei allem Verständnis gegenüber den Einheimischen hier. Ich verzeihe ihnen, dass sie mal ihr Geschäft am Strand machen – übrigens habe ich das Gefühl, sie machen es weniger oder weiter weg, seit wir hier sind (Danke!) – jedoch das unbedachte Wegwerfen des Abfalls macht mir nach wie vor sehr Mühe. In indischen Städten machen wir das mittlerweile auch, wenn es keine Abfallkübel hat, aber draussen in der Natur nicht. In den Städten stört mich das weniger, hier aber schon. Sehe ich es zu eng?
Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, hier fehl am Platz zu sein. Payyoli gehört den Fischern, nicht uns Bleichgesichtern. Meine Seele will hier in Payyoli einfach keine Ruhe finden, keine Musse. Ich fühle mich irgendwie zu sehr als Fremdkörper.
Aber vielleicht ist es auch einfach wieder mal so eine familiensoziale Phase, die es durchzustehen gilt. Wir sitzen halt schon wieder sehr lange und ständig aufeinander. Und wenn du es mal schaffst alleine an den Strand oder so zu gehen, dann tönt es sicher wieder von irgendwoher "Hello, how are you? What's your name?" Und wenn du dann zurückfragst, merkst du, dass sie nicht einmal auf die eigene Frage eine Antwort geben können. Ist ja sicher nicht böse gemeint, aber es kommt der Moment, da wirst du der Sache einfach langsam überdrüssig...

Ich freue mich auf alle Fälle schon wieder aufs Weiterreisen. Morgen geht es in den Tholpetty-Nationalpark (ohne unseren local Guide ;-)), danach werden wir noch ein paar Tage hier bleiben und dann unsere Tramper wieder packen und weiterziehen. Oder spielt da auch ein bisschen Heimweh mit...?
(Rémy)

PS. Während ich schreibe, sehe ich zwei Jungs, welche drei Kehrrichtsäcke zum Strand tragen. Sie entsorgen sie fachgerecht im Blockwurf. No way to tell them anything. Sie würden es erstens nicht verstehen und schon gar nicht begreifen...

Mittwoch, 7. April 2010

Local Backwaters mit local guide oder Geld ist Ansichtssache

Eines Abends kommt Besuch zu uns. Ein Typ aus der Nachbarschaft. Unser Schlummervater Sadarji (Mr. Singh) stellt uns einander vor. Aha, das ist also der "local guide", von dem wir schon im Gästebuch gelesen haben. "Bester Guide in ganz Indien, inkl. Nepal..." (grins-grins!) Ich werde irgendwie nicht so warm mit diesem Mann. Aber ich bin sowieso nicht so ein Guide-Fan. Er könne uns überall hinbringen, Backwaters, Tholpetty, Periyar bis hinauf zum Himalaya. (grins-grins!) "Oh nein, danke!", ist mein erster Gedanke. Schliesslich machen wir ab, dass wir mit ihm die lokalen Backwaters anschauen gehen. Mal schauen, was dabei rauskommt...

Morgens um 08.30 h kommt er bei uns vorbei und fragt, ob es okay sei, wenn wir um 10.00 h gingen. No problem, sage ich. Und er meint noch, wir sollen dann pünktlich bereit sein. Ich frage noch kurz, was das Ganze denn etwa koste. "About 500-600 Rupees only" (grins-grins!).
Kurz vor zehn mache ich Sämi noch etwas "Dampf", da er noch nicht bereit ist. "Dä chunnt sowieso nid pünktlich, könnsch jo die Inder". Wie recht er hat! Nach elf Uhr packen wir die Badehosen und wollen Schwimmen gehen und just in dem Moment kommt er natürlich daher. Er konnte uns nicht erreichen, das Telefon ging nicht. Tatsächlich haben wir Stromausfall, so dass die Entschuldigung gilt. "You can swim in the backwaters" – (grins-grins!). Die Sonne steht schon sehr hoch und wir machen uns auf den Weg.

Auf dem Boot ist es dann wirklich schön, aber verdammt heiss.
Zusammen mit uns kommen noch weitere vier Inder aufs Boot, obwohl eigentlich nur einer an der Bootsstange arbeitet.
Auf einer Insel gehen wir etwas spazieren. Unser Guide (der beste Indiens inkl. Nepal) will uns eine Palmwein-Schenke zeigen. Er muss sich komischerweise aber ständig durchfragen. Dafür trifft er unterwegs einen ersten "one of my best friends", der uns ganz freundlich zu einem Schluck Wasser bei sich zu Hause einlädt. Das ist wirklich ganz nett und die ganze Familie hat natürlich Freude an uns. Wir sind froh über den Schatten und das feine Gewürzwasser. Komisch ist nur, dass unser Guide gar nicht gewusst hat, das "one of my best friend" hier wohnt?!?!
Später erzählt er uns auch noch, dass er kürzlich, kurz vor uns wahrscheinlich, mit einem Schweizer im Rishimuk war und dass Peter "one of his very best friends" (grins-grins!) sei. Mir geht ein Licht auf: Ja, ja, von einem Inder aus Payyoli hat man uns dort erzählt. Soviel ich mich erinnere, tönte es aber nicht gerade nach "very best friend", sondern eher nach etwas "strange..."
Nach einigem Hin- und Herlatschen findet sich die Palmwein-Spelunke doch noch. Wir nippen kurz am Palmwein, den die Inder glasweise runterstürzen und versuchen auch noch Krebse und irgendein Gemüse, ähnlich wie Kartoffeln.

Auf der Fahrt zurück gehen unsere Kinder vom Boot aus noch etwas Schwimmen. Als wir wieder an Land sind, kostet die Bootsfahrt 600 Rupien. Ich sage unserem Guide, dass ich das reichlich viel finde. Er meint nur: "This is no US-Dollar, this is only rupees" – (grins-grins!). Aha, alles klar! Der Typ ist für uns definitiv gestorben! Claudia und ich geben ihm auf dem Rest unseres Trips noch mehr oder weniger deutlich zu verstehen, dass wir mit Typen wie ihm nicht viel am Hut haben. Ich glaube, er hat es begriffen und wird sich uns nicht mehr anerbieten. Fertig grins-grins!
(Rémy)

Montag, 5. April 2010

Hang loose in Payyoli

Im Moment geniessen wir es einfach hier in Payyoli zu sein. Von Sebi's Eltern werden wir kulinarisch verwöhnt und können die Seele einfach baumeln lassen. Nebst Schulunterricht für die Kinder bleibt noch genügend Zeit um zu sein. Hier ein paar Eindrücke...

Gedränge am Strand...

Blick nach links

Blick nach rechts

Dasselbe vom Meer her gesehen und links

und rechts

Auch im Wasser, kaum Platz!!!

Es gibt ein Leben ohne TV! Die Kinder werden von alleine kreativ. Sie sammeln allerlei Muscheln und anderes Strandgut, erfinden ihre eigene Muschelwährung und beginnen gegenseitig in ihren Shops zu handeln...

Das Trink- und Duschwasser holen wir aus dem Brunnen

Kokosnussknacken will gelernt sein


Spielen auf der Veranda, immer das Meeresrauschen in den Ohren

Hoho! Der Osterhase ist auch in Payyoli gestrandet...

Strandgut

Abendstimmung

Mehr dann wieder, wenn wir etwas weniger gestresst sind ;-)
(Rémy)

Dienstag, 30. März 2010

Ooty goodbye, Indian Bus and Trainsystem hello

Am Montag morgen geniessen wir nochmals ein indisches Frühstück, bevor wir dann im Hotel auschecken und uns zu Fuss zum Busbahnhof von Mysore aufmachen. Der Weg ist nicht weit, der Bus steht schon bereit und wir sind froh, wird es nur eine kurze Busfahrt von 5 Std. werden.

Wir müssen bei diesem Gedanken etwas Schmunzeln, denn in der Schweiz wäre das schon eine halbe "Weltreise" mit viel Vorbereitung, Proviant einpacken und schauen, wie die Kinder möglichst lange zufrieden gestellt werden können...
Die Fahrt ist sehr abwechslungsreich und kurzweilig. Schon bald durchqueren wir den Bandipur Nationalpark und schauen gespannt aus den Fenstern. Tatsächlich erspähen wir einige Pfauen und Elefanten. Für die Tiger halten wir aber vergebens Ausschau!
Der letzte Teil der (ansonsten angenehmen) Fahrt geht in die Berge und wird ganz schön kurvig. Der Chauffeur nimmt die vielen Haarnadelkurven in flottem Tempo, sodass unsere Kinder diese total geniessen können. Sie stehen zwischendurch auf und halten sich nur an den Stangen fest, um das volle "Achterbahnfahrt-Feeling" zu erleben. Mein Magen fährt auch ganz schön Kurven und ich bin froh, bleibt alles da, wo es sein soll!
Nach einiger Zeit des Rätselns finden Rémy und ich sogar heraus, dass die vielen, kleinen Büsche wohl Teeplantagen sind. Als wir durch Eukalyptuswälder fahren riecht es angenehm frisch und wir erfreuen uns der schönen Natur.
In Ooty angekommen lotst uns Rémy einmal mehr souverän zu unserer neuen Bleibe. Dieses Guest-House hält wirklich, was es laut Reiseführer verspricht und der Gipfel: Wir haben sogar ein kleines Gärtchen vor unseren Zimmer, mit Rasen, Geranien, Tageten - so schön.
Leider werden wir nicht dazu kommen, dieses zu geniessen, denn Ooty – obwohl früher sicher mal ganz schön – ist heute "potthässlich" geworden, mit vielen "neuen" Bauten, die aber leider nicht aufeinander abgestimmt wurden! Da es aber auf 2000 m.ü.M. liegt, ist es noch heute für viele Inder aus der Mittel- und Oberschicht beliebtes Ausflugsziel. Sie geniessen hier vor allem die kühle Luft. Die geniessen wir auch, als es dann aber noch einen kurzen Platzregen gibt, fröstelt es unsere Kinder sogar! Wir werden diesen Ort möglichst schnell wieder verlassen, denn ausser dem schönen Guest-House hält uns hier nichts mehr.

Heute Dienstag morgen gehen wir gemütlich zum Bahnhof. Wir haben gestern abend noch erfahren, dass unsere Dampflock nur eine kurze Strecke fahren wird, da auf dem zweiten Teil ein Erdrutsch niedergegangen sein soll. Eigentlich haben wir den Umweg über Ooty nur wegen dieser Dampflock-Fahrt gemacht, aber wir haben ja Zeit und nehmens gelassen. So entscheiden wir, dass wir nach Möglichkeit noch heute irgendwie Payyoli erreichen möchten. Trotz heftigen Fahrplan studierens gestern abend, wissen wir noch nicht genau, wie und wann wir dies schaffen werden. Dass heute ein gaaaaaaaaaanz langer Tag werden wird und wir diesen nur in Bussen und im Zug verbringen werden, obwohl sich unsere Mägen noch kaum erholt haben von der Busfahrt von gestern, dessen sind wir uns nicht bewusst!
Rémy geht also die Tickets holen und muss zuerst mal zünftig Schlange stehen. Mit enttäuschtem Gesicht kommt er zurück, weil es nur noch für Stehplätze gereicht hat – da sind wir ja nichtmal so traurig, dass der Zug nur die Kurzstrecke fährt! Als wir dann eingeschleust werden, können wir trotzdem sitzen, warum, das wissen wohl nur die vielen Göttinnen und Götter, die uns immer noch begleiten und beschützen. Wir reisen im "Rückwärtssitzen" – nochmals ein Grund mehr, nicht traurig zu sein, dass die Fahrt nur eine Stunde dauert! Die Aussicht ist nett, kommt uns zwischendurch vor wie im Tessin, aber wahrscheinlich sind wir einfach zu verwöhnt mit unseren Schweizer Bahnen (z.B. Strecke Montreux-Zweisimmen), sodass wir nicht wirklich beeindruckt sind und am Ende dieses Tages sagen werden, "wir hätten auch direkt nach Payyoli fahren können"...
Ich notiere unten noch die Fahrten etc., damit ihr euch ein Bild unseres Tages machen könnt. Alice klagte schon bei der ersten Busfahrt über Bauchweh und wusste nicht, ob sich ihr Magen entleeren will oder nicht, sodass sie subito von einem flotten Inder seinen Fensterplatz erhielt. Das läuft hier so: Wirds jemandem schlecht, Kopf aus dem Fenster, Magen entleeren und weiterfahren! Alice bleibt glücklicherweise verschont, der Fensterplatz alleine hilft schon. Ich schaffe es, zwischen den z.T. sehr kurzen Wechseln, jeweils wieder Guetzli, Wasser und Bananen zu kaufen. Auch Louis Magen ist noch angeschlagen von gestern und hätte heute lieber einen Ruhetag gehabt! Aber wir meistern die ganze Reiserei super. Drum leisten wir uns ganz spontan auch wiedermal einen Abschnitt in einem Touristenbus heute. Der Typ meint zwar wir seien total Gaga, denn er behauptet, die Fahrt sei im Govermentbus nur 5 Rupien günstiger als bei ihnen. So ein Schmarren, aber egal, wir wollen einfach möglichst schnell und möglichst direkt nach Payyoli kommen. Ich bin am Abend auf der letzten Zugstrecke einfach nur noch "kaputt", total verschwitzt, habe Hunger und möchte nur noch schlafen... Einmal mehr staune ich ob unseren Kindern: Kein gezwänge und gemurre, es ist einfach so, wie es ist und mich dünkt, heute sind sie fitter als ich...

Unsere Strecken heute:                                              Rupees                    SFr.

Ooty – Coonoor Zug 09.00 – 10.00                                      15                         0.35
Coonoor – Coimbattore Bus 11.00 – 13.30                         125                         2.75
Coimbattore – Thrissur: Touristbus 14.15 – 17.30                900                       19.80
Thrissur – Vadakara: Zug 18.20 – 22.30                              199                         4.35
Vadakara – Payyoli: Ritschka 22.30 – 22.50                        160                         3.50

Wir freuen uns, als Mr. Singh plötzlich zwischen den Palmen auftaucht und uns abholt, nachdem er vorher dem Ritschka-Fahrer noch letzte Wegbeschriebe über Rémys Handy gegeben hat. Wir sind dankbar um das leckere, warme Essen, duschen noch kurz und fallen alle todmüde ins Bett, glücklich, dass wir unser Ziel Payyoli heue tatsächlich noch erreicht haben!
(Claudia)

Sonntag, 28. März 2010

Mysore

Nach einer angenehmen Nacht-Zugfahrt im Sleeper (alle in einem eigenen Bett!!!) kommen wir am Samstagmorgen früh in Mysore an. Zu erwähnen ist übrigens noch, dass wir vorher im Regionalzug von Hospet nach Hubli gefahren sind. Die Fahrt dauerte 4 Stunden und wir bezahlten für alle fünf unglaubliche 90 Rupien, also etwa 2 Franken. Wenn ich daran denke, dass man bei uns für dieses Geld nicht einmal zur nächsten Bushaltestelle fahren kann...
Mit einem Taxi fahren wir zum ersten Low-Budget-Hotel, welches wir in unserem Reiseführer ausgesucht haben. Und bald zeigt sich, dass dieser nicht mehr ganz auf aktuellstem Stand ist. Das billige Travellerhotel mit nur 8 Zimmer hat sich inzwischen in einen supermodernen Luxustempel verwandelt und die Preise sind dementsprechend ausserhalb unseres Budgets. Ein Rikschafahrer bietet uns an, uns für 15 Rupien ein paar Hotels zu zeigen. Das nächste auf unserer Liste ist nur noch eine Ruine, wie uns der Rikschafahrer versichert und uns beim Vorbeifahren auch noch zeigt. Okay, der Typ erzählt uns keinen Schmarren. Nach dem "Besichtigen" von 4 Hotels entscheiden wir uns für das Chandra Palace. Und weil sie vielleicht "zu müde" sind, um noch zusätzliche Matratzen ins Zimmer zu schleppen, kriegen die Kinder für einen Aufpreis von 100 Rupien sogar ihr eigenes Zimmer (oh Schreck, mit TV und Dauerstrom – die armen Kinderchen). Trotz verführerischer Flimmerkiste machen wir uns auf die Socken, um die Stadt zu erkunden. Als erstes besuchen wir den Devaraja-Markt, der zu den farbenprächtigsten in Südindien gehört. Schon bald bleiben wir an einem Duftöl- und Räucherstäbchen-Stand hängen und lassen uns das Ganze drum und dran erklären. Der Typ ist sehr sympathisch und auch sehr clever. Also das geht so: Zuerst wird man von einem Typen ganz zufällig nach dem üblichen "which-country"-Muster angehauen. Dieser führt einen dann zu diesem Marktstand und dort wird als Erstes ein Schweizer Gästebuch gezeigt. Der Typ hat doch tatsächlich von unzähligen Ländern solche Gästebücher. Von allen Kunden macht er ein Foto, die dann zu den Einträgen geklebt wird. Das wirkt natürlich super. Zum Schluss wird dann versichert, dass es sich um einwandfreie Ware handelt und wir ja nicht bei den anderen Ständen einkaufen sollten, wo die Ware zum halben Preis angeboten wird, weil die die feinen Düfte panschen und so weiter und so fort... Ja, wir werden dann wohl erst zu Hause merken, ob's stimmt oder nicht. Wir schlendern dann noch etwas durch den Markt und knipsen, was das Zeug hält.
Mir graut schon jetzt davor, all diese Fotos irgendwann mal auf eine vernünftige Anzahl zu reduzieren.

Nach einem kurzen Abstecher zurück ins Hotel, brechen wir auf zum Highlight von Mysore, dem Maharadja-Palast. Auch hier werden wir weiterhin mit der etwas sehr mühsamen, scheinbar Mysore-typischen Begebenheit konfrontiert: Überall und ständig werden wir angequatscht von irgendwelchen Typen, die uns irgendwas (hier meist Sandalwood-Produkte wie Fächer und Schnitzereien) verkaufen oder zeigen wollen. "Hello, which country?" "Switzerland? Nice place, which part french, german?" Und wenn wir dann "german" sagen, kommt sofort ein "Hallo wie geht's" oder einmal sogar ein "Chuchichäschtli" zurück. Am Anfang ist das ganz kurz noch lustig, aber jedesmal bringst du die Typen fast nicht mehr los. Irgendeinmal kommen wir dann halt aus "Ouagadougou" und die Kerle sind mit ihrem Latein am Ende ;-)

Der Palast ist wirklich ein Highlight. Zuerst müssen wir zwar noch weit um ihn herumspazieren, da nur ein Eingangstor im Süden offen ist. Es ist schon sehr heiss. Die Kinder machen aber tapfer mit, obwohl ihre Eltern ja eigentlich schon ein bisschen "gaga" sind, denn eine Ritschka würde nur etwa 10 oder 15 Rupien kosten. Wahrscheinlich haben sie einen Sparstrumpf gefressen. Nein, wir ziehen das jetzt einfach durch, schliesslich sind wir ja für ein ganzes Jahr ohne Einkommen und da zählt halt jede Rupie. Zudem machen wir ja körperlich sonst gar nichts und so bleiben wir etwas in Form. Als Ausländer müssen wir natürlich wieder das zehnfache Eintrittsgeld bezahlen (200 Rs). Immerhin sind Louis und Alice gratis und ein Audio-Guide ist erst noch im Preis inbegriffen. Wir machen uns darauf gefasst, dass das Ding ja wahrscheinlich sowieso nicht funktioniert. Aber ohalätz! Die Geräte funktionieren einwandfrei, der deutsche Text ist von einem Sprachprofi gesprochen, sehr interessant und auch für die Kinder gut verständlich. Und: die Inder/innen müssen pro Gerät 100 Rupien bezahlen!
Der Palast ist wirklich unglaublich schön und prunkvoll und man fühlt sich zwischendurch wirklich in die "gute, alte" Zeit der Maharajas zurückversetzt. Nachdem der alte Holzpalast 1897 während einer Hochzeitsfeier aufgrund eines Küchenbrandes abgebrannt ist, wurde der neue "feuerfest" gebaut. Und es wurde an keinem Detail gespart. Leider durfte man im Innern nicht fotografieren, aber es gibt ja noch das Internet.

Heute Abend ist der Palast ausnahmsweise für eine halbe Stunde beleuchtet, was wir uns natürlich nicht entgehen lassen wollen. Obwohl wir vorher nachgefragt haben und natürlich eine andere Antwort erhalten haben, scheint wiederum nur das Südtor offen zu sein. So stehen wir, als die Beleuchtung startet, zwar vor verschlossenen Toren, können aber das Spektakel trotzdem durch die grossen Gitter hindurch sehen. Wow, es ist wirklich wie aus "Tausendundeinernacht"! Und wieder machen wir uns zu Fuss auf den Weg zum Südtor. Dort angekommen und kaum drinnen, gehen die Lichter wieder aus. Zum Trost gibt es ein Eis und eine Ritschka zurück ins Hotel.

Am Sonntag steht unser Ritschkafahrer vom Vortag pünktlich um 10 Uhr vor dem Hotel bereit. Wir haben abgemacht, dass er uns für 300 Rupien, die Sehenswürdigkeiten in und um Mysore zeigt. Als erstes nehmen wir den Chamundi Hill, einer der acht heiligen Berge Südindiens in Angriff. Schon bald merken wir, dass die Ritschka ihre besten Jahre bereits hinter sich hat und sich bei der ersten kleinsten Steigung, welche von Auge eigentlich gar nicht wahrnehmbar ist, schon arg ins Stottern kommt. Etwa so, wie wenn ich mit meiner alten Vespa versucht habe den Weissenstein zu erklimmen. Ich kann fast nicht glauben, dass wir es bis nach oben schaffen. Doch es gelingt. Zum Glück hat es keine Fussgänger unterwegs. Ich glaube, die hätten uns nebst all den anderen Fahrzeugen auch noch überholt. Mit unserem Fremdenführer vereinbaren wir, dass er unten auf uns warten soll. Wir wollen die tausend Treppenstufen nach unten zu Fuss zurücklegen. Oben schauen wir uns das Treiben an. Es hat viele Leute und man will uns auch hier alles mögliche andrehen. Wieder einmal besuchen wir einen Tempel, den Sri-Chamundeshvari-Tempel und bezahlen sogar 20 Rupien, um nicht in einer riesigen Schlange in der brütenden Hitze anstehen zu müssen.
Drinnen dann das selbe Bild, wie wir es auch in Varanasi schon erlebt haben. Massenabfertigung. Wir bleiben nicht lange. Vor dem Abstieg besuchen wir noch das kleine Godly-Museum. Vor dem Eingang hat es ein Plakat mit fürchterlichen Fotos von Menschen mit entsetzlichen Geschwüren und Entstellungen. Moralisch wird im Text darunter darauf hingewiesen, dass man so endet, wenn man Pan kaut, raucht, trinkt etc. "Willst du so enden?!?!" Natürlich müssen wir den Kindern hier einiges erklären... Im Innern werden einem plastisch alle Laster des weltlichen Lebens vor Augen geführt. Es sieht alles sehr kitschig und witzig aus, ist aber total ernst gemeint. Ein Führer, Guru, Priester oder was auch immer erklärt mir unaufgefordert, was das alles zu bedeuten habe. Der meint wohl ich könne nicht lesen?! Und er plappert und plappert und plappert und merkt gar nicht, dass ich ihm nicht zuhöre. Als ich ihn endlich los bin, fragt Claudia ihn nach dem Namen einer dargestellten Figur, welche wir schon draussen im Grossformatgesehen haben.
"It's not important" ist seine Antwort und dann quatscht er Claudia die Ohren voll, während ich mich mit den Kindern mal rausschleiche.

Der Abstieg mit den 1000 Treppen ist gar nicht so schlimm und recht kurzweilig. Es gibt Pilger, die machen das Ganze natürlich von unten nach oben und kennzeichnen jeden Tritt mit roter Pulverfarbe. Unten wartet unser lieber Führer schon und meint, wir hätten einen "long visit" gemacht. Als nächstes will er uns den Palast zeigen, dann noch eine katholische Kirche und dann noch einen Markt, wo wir shoppen könnten. Ich habe ihm schon am Vortag gesagt, dass wir den Palast schon besuchen werden. Katholische Kirchen haben wir zu Hause selber genug und shoppen können wir auch selber. Wir wollen noch etwas aus der Stadt raus, nach Srirangapatna. Das sei aber etwas weit, aber er könne das schon machen. Wir fahren los und er sagt noch etwas von "beim Vorbeifahren können wir noch schnell beim alten Markt vorbei und schauen, wie Duftöl und Räucherstäbchen..." "Nein", das haben wir schon gehabt. Er fährt unbeeindruckt weiter in die für meinen Orientierungssinn nicht ganz richtigen Richtung. Noch einmal fragt er nach, ob wir wirklich nicht Öl... "No!". Und ich merke schon, die Rechnung geht bei diesem Kerl nicht auf. Keine Provision auf dem Ölmarkt und auch keine Provision auf den Privatbussen nach Ooty, denn wir haben ihm schon mehrfach klargemacht, dass wir trotz seinen vielfältigen Gegenargumenten den viel günstigeren staatlichen Bus nehmen. Und so kommt es, wie es kommen muss: Plötzlich hält er an und sagt, wir müssten dort drüben den öffentlichen Bus nach Srirangapatna nehmen, das sei nämlich zu weit und hätte sonst einen Aufpreis von 400 Rupien zur Folge. Sein Programm für 300 Rupien sei hier zu Ende. Wir steigen aus und ich gebe ihm 200 Rupien, die er zuerst gar nicht annehmen will. Es sei nicht sein Problem, wenn wir nicht sein Programm wollen. Ich sage einfach entweder nimmst du die 200 Rupien jetzt oder du lässt es sein. 200 Rupien sind eh schon zuviel für das was du geleistet hast. Schliesslich nimmt er sie grimmig, sein Schuss (Plan) ging wohl ziemlich hinten raus. Louis, dessen Englischkenntnisse ausreichend sind zum Mithören, sagt anschliessend, dass er einen Moment lang noch gemeint hat, das sei ein freundlicher Typ, weil er das Geld (zuerst) gar nicht nehmen wollte.
Für uns ist klar. Mysore ist es für uns nicht wert, noch einen Tag länger zu bleiben. Den Höhepunkt, den Palast, haben wir besucht und seine märchenhafte Beleuchtung können wir heute nochmals eine Stunde lang geniessen.
Bevor wir zum Busbahnhof gehen und für nächsten Morgen die Tickets nach Ooty lösen, müssen wir unseren Hunger stillen. In einem typisch indischen Restaurant nehmen wir alle das Tagesmenu, eine Thali für 30 Rupien. Die Organisation dort ist lustig. Zuerst geht man an die Theke eins, wo man die Bestellung aufgibt. Dann geht man an die Thekezwei, wo der Kassazettel ausgedruckt wird. Mit diesem geht man wieder zurück zur Theke eins, wo man diesen abgibt und bezahlt. Erst dann setzt man sich an den Tisch. Das Essen kommt schnell und schmeckt vorzüglich. Der Hinterhof und die dortige Toilette riechen weniger vorzüglich... Wir diskutieren, mit wem wir wohl in einem solchen Restaurant essen könnten und mit wem eher und mit wem sicher nicht? Wohl die meisten würden schon an der Türschwelle dankend abwinken. Wir amüsieren uns darüber ;-) Als wir zum Dessert noch Glace wollen, wird es kompliziert. Es gibt vier Sorten: Vanilla, Chocolate, Pistak und Rasperry. Alle möchten natürlich zwei verschiedene Kugeln. Das sei nicht möglich, sagt man mir. Es gebe zwar vier Sorten und man könne auch anstatt eine, zwei Kugeln haben, aber immer nur von einer Sorte. Ich versuche zu erklären. Nach kurzer Zeit gebe ich auf und nehme bei meinen Lieben schmunzelnd die neue Bestellung auf. Also jetzt bei Theke eins bestellen, dann mit dem Zettel zu Theke zwei. Der Typ von Theke zwei ist gerade nicht da, da kommt der von Theke eins und nimmt mir den Bestellzettel wieder aus der Hand, geht zu Theke zwei, tippt den Kassenzettel, welchen er mir dann in die Hand drückt. Zurück bei Theke eins will ich ihm das Geld für das Eis geben, aber er sagt mir, dazu müsse er zuerst den Kassenzettel haben. Ich gebe ihm diesen, den er mir doch eben erst gerade noch in die Hand gedrückt hat zurück. Fein säuberlich wird der Kassenzettel auf ein Nagelbrett gesteckt und dann darf ich bezahlen. So geht das! Das Eis schmeckt übrigens vorzüglich. Die Toilette aber... Nein, das hatten wir ja schon!
Anschliessend machen wir noch eine kleine Siesta im Hotel, bevor wir uns zum dritten Mal zum Palast aufmachen.
Rechtzeitig und auf der richtigen Seite warten wir dann um 18.30 h, bis sich die Tore zum Palastpark öffnen. Das Palastorchester steht bereit. Es ist soweit. Im Palast gehen die Innenlichter aus und dann gibt es ein grosses "Oh!" und "Ah!" als die Lichter der Fassade zu leuchten beginnen.
Und die Marschmusik beginnt mit vollem Elan zu spielen. Die Marschmusik-Freunde mögen es uns verzeihen, wir wissen den richtigen Namen dieses ersten Stückes nicht. Aber für uns ist es nach kurzer Diskussion unverkennbar klar: "Fröilein, händ si mys Hündli gseh?"
Wir geniessen die schöne Stimmung im Park, bis die Lichter nach einer Stunde wieder ausgehen. Auf der Terasse des Shilpashri Restaurants stillen wir dann bei Kerzenlicht den letzten Hunger. Ein versöhnlicher Abschluss in Mysore.
(Rémy)

Freitag, 26. März 2010

Spannende Begegnungen

Am Mittwoch, nach dem wieder einmal mehr köstlichen Essen im Rishimuk, sitzen wir mit Franziska noch etwas da und plaudern, während dem die Kinder schon wieder irgendwo am Spielen sind. Wir sind völlig entspannt und auch etwas schlapp, der Hitze wegen. Doch oha! Als Franziska das Sitzkissen vom Boden nimmt, auf dem eben noch Louis gegessen hat, ist die Ruhe schnell vorbei. Auch ich, der eigentlich nicht so schnell aus der Fassung gebracht werden kann, nehme schnell einen Satz zur Seite. Die im Durchmesser etwa 10 cm grosse Spinne rennt auf ihrer Flucht direkt auf mich zu. Hui, so schnell bin ich schon lange nicht mehr von Null auf Hundert gestartet. Die Spinne trägt übrigens einen etwa Daumennagel grossen Eiersack mit sich. Leider können wir kein Foto von dem lieben Tierchen machen, den Spurtli, die kleine Katze, welche es sonst eigentlich nur auf die Chappatis abgesehen hat, wirft sich blitzschnell auf die Spinne, welche ihren Eiersack dabei verliert. Es knackt gut hörbar, als Spurtli die grosse Spinne genüsslich verspeist. Und zum Dessert frisst sie gerade noch den verwaisten Eiersack. So geht das in der Natur. Und die Spinne, die uns eben noch so erschrocken hat, tut uns nun richtig leid...

Peter und Franziska erzählen uns ab und zu, was für Tieren sie hier sonst noch so begegnet sind. So hatte es vor Jahren auch noch Leoparden, welche in den nahen Felsen, welche wir jeweils auf dem Weg von Hampi zum Rishimuk überqueren, gelebt haben. Und es kam schon vor, dass diese mal den Hühnerstall besuchten. Heute gibt es diese leider nicht mehr. Sie wurden von den vielen Freeclimbern (Kletterer), welche sich jetzt in den Felsen rumtummeln, aus ihrem Lebensraum vertrieben. Dafür haben die Bauern, wie eben auch die Leute im Rishimuk, jetzt Probleme mit den zu vielen Wildschweinen, die sich über die Felder hermachen. Vorher haben die Leoparden für das natürliche Gleichgewicht gesorgt.

Schlangen sind natürlich auch ein Thema. Es gibt hier nebst anderen auch die Königskobra, normale Kobras und Pythons. Letztere sind ungiftig und nur etwa 5-6 Meter lang. Anstatt zu beissen, erwürgen sie ihre Opfer. Nett, oder? Peter ist mal einer auf dem breiten Feldweg begegnet. Er konnte im ersten Moment gar nicht erkennen, wo vorne und hinten ist, da das Ding gerade den Weg überquert hat und Kopf und Ende eben links und rechts vom Weg im Buschwerk lagen. Auch kam es schon vor, dass sich eine Schlange ins Bett oder in eine Tasche verirrt hat. Unmittelbar vor Melinas und Mustaks Freiluftbett, in dem auch ihre drei Kinder schlafen, hat eine Kobra ihr Erdloch. Ab und zu kann man sie sehen, wie sie neugierig rausschaut. Mich hat sie leider nie angelacht.
Aber trotzdem, heute, bei meinem letzten Gang auf die wunderschöne Freilufttoilette und Freiluftdusche, sehe ich sie doch noch - meine Schlange. Die Toilette ist nämlich schon "besetzt". Leider merke ich es erst zu spät und kann nur noch beobachten, wie der letzte Meter einer wunderschönen gelblichen Schlange völlig lautlos und graziös unter der Holzverkleidung durchschlüpft und dann unter der Steinmauer verschwindet. Gerne hätte ich ihr in die Augen gesehen. Vielleicht ein andermal.

Jetzt liegen wir schon wieder im Zug, der in Richtung Mysore rauscht. Vom Rishimuk, diesem wunderbaren Ort mit seinen uns liebgewordenen Menschen haben wir uns verabschiedet. Herzlichen Dank Franziska und Peter, Milena, Mustak, Safira, Surli und Klein Yanik. Unsere Reise geht weiter...
(Rémy)

Dienstag, 23. März 2010

Rishimuk

Es ist Montagabend (22.3.10) und ich sitze, wie schon gestern, auf der Veranda vor unserem wunderschönen, kleinen Häuschen, während der Rest der Familie bereits im Bett ist. Die Grillen zirpen, die Frösche quaken und das wunderschöne Wiesenkonzert wird noch von diversen anderen Tieren verstärkt. Die vielen, vielen Glühwürmchen tanzen dazu lustig über der Wiese vor userem Haus herum. Dieser Flecken Land, kommt mir vor wie das Paradies auf Erden. Die Gegend ist ein riesiger Kraftort, hat eine unglaubliche Vergangenheit und irgendwie scheint dies hier alles immer noch ganz stark mitzuschwingen. Ich glaube auch, dass die Art, wie dieser Ort hier geführt wird, auch ganz viel zu der guten Atmosphäre, dem guten Geist beiträgt. Die Häuschen sind mit natürlichen Materialien, robust gebaut und liebevoll eingerichtet – frau fühlt sich sofort wohl darin. Es wird sehr gesund, praktisch zuckerfrei, natürlich und biologisch gekocht. Der Landwirtschaftsbetrieb ist biologisch geführt. Es gibt kein Telefon, kein Handy, keinen TV hier und die vielen, vielen Tiere scheinen sich auch wohlzufühlen. Ihr merkt, wir fühlen uns hier ebenfalls einfach rundum wohl. Die Kinder geniessen hier wiedermal mit andern Kindern spielen zu können, auch wenn diese jünger sind, und natürlich das Schwimmen im mit Natursteinen ausgelegten Pool. Sie finden, so könnten sie auch gut ohne TV leben...

So haben wir die letzten beiden Tage mit herumhängen, Hausaufgaben und vielen Pool-Besuchen verbracht. Die Kinder sind richtige Wasserratten und schwimmen alle auch schon wirklich gut. Heute ist hier, auf der "Rishimuk-Farm" frei. Das heisst, die Arbeitenden haben frei und in der Küche wird nicht gekocht. Wir gehen mit den Besitzern auswärts indisch "zmörgelen" und gehen nachher unseren eigenen Weg. Der nahegelegene "Hanuman-Tempel" (Affengott), welcher auf einem Hügel, nicht weit von hier steht, lacht uns schon lange entgegen.

Franziska gibt uns noch Erdnussproviant mit (natürlich Eigenanbau), damit wir die Affen füttern können und so ziehen wir los. Kaum sind wir am Fusse des "Berges" angekommen, empfangen uns auch schon die ersten Affen. Alices erste Begegnung ist wohl etwas "ruppig" und sie kommt uns weinend entgegengerannt. Schnell hat sie sich aber wieder beruhigt, als sie merkt, dass die Affen wirklich nur unsere Erdnüsse wollen. Sie sind ja so zuckersüss, fressen uns die Nüsse aus den Händen. Manchmal fassen sie mit ihrer einen Hand unsere Hand und mit der anderen picken sie die Nüsse heraus – soooo herzig. Oder sie halten unsere Hand, und fressen direkt mit dem Mund aus unserer Hand. Nur wenn mehrere aufs Mal kommen, herrscht etwas Stress und sie packen möglichst schnell möglichst viele Nüsse und sie fallen auf den Boden. Wir sind total fasziniert von den zarten, weichen Händen der Aeffchen: Wenn sie uns berühren, machen sie dies so sanft, wir fühlen keinen Nagel, keine Krallen, nichts. Es ist ein ganz spezieller Moment der Zärtlichkeit.

Oben angekommen geniessen wir es, wiedermal einen Hindu-Tempel zu besuchen. Es ist schön zu sehen, dass dieser gepflegt wird und auch versucht wird, die Umgebung sauber zu halten. Die Aussicht von hier ist umwerfend und wir können nochmals so richtig überblicken, wo wir schon waren, wo die Farm von Peter und Franziska steht und wie riesig dieses Gebiet doch ist.

Nach dem Abstieg entscheiden Rémy und ich, dass wir den Weg durch die Reisfelder wählen, um wieder zum Flussufer zu gelangen. Bald schon kommt ein Ochsenkarren auf uns zu, mit einem strahlenden Bauern darauf, der uns freundlich einlädt, auf seinem "Ladiwagen" Platz zu nehmen. Diese Chance lassen wir uns nicht entgehen und die Kinder und ich geniessen die holprige Fahrt durch die Reisfelder. Am Ende hätte er gerne etwas zum Rauchen gehabt von uns, damit konnten wir ihm leider nicht dienen...

Wir gehen weiter durch die saftiggrünen Reisfelder-Wege – das sind die Erhöhungen zwischen den "Wasserbecken" – und kommen beim nächsten Bauern vorbei, der mit seiner Frau versucht seine Wasserbüffel zusammenzutreiben. Von weitem schon signalisiert er uns, wir sollen einen weiten Bogen um sie herum machen. Plötzlich landen wir auf einem Grundstück, das sehr privat aussieht und sehr "westlich" gepflegt ist. Die Handwerker auf dem Dach bemerken uns und als wir nach dem Weg zum Fluss fragen, steigt auch schon ein Weisser herunter und führt uns durch sein riesiges Anwesen - auch das ein sehr schöner Flecken auf dieser Erde - direkt zum Fluss. Als wir mit den kleinen, runden "Körbchen" den Fluss überqueren wollen, ist der Preis so horrend, dass wir wieder umkehren und uns notfalls schwimmend ans andere Ufer begeben wollen. Wir finden dann zwei Fischer, welche uns zwar immer noch zu teuer, aber immerhin unter der Schmerzgrenze ans andere Ufer bringen.

Nach weiterem marschieren und klettern über die Felsen, dann endlich "Siesta" in einem hübschen Restaurant mit Flusssicht, wo wir uns stärken, liegend erholen (die Restaurants hier bieten oft Liegeplätze an - so bequem!) und Yatzy spielen – das Lieblingsspiel der Kinder im Moment! Dann erklimmen wir noch den Hemakuti-Hügel und geniessen nochmals die vielen Tempelruinen und die tolle Aussicht.

Unten angekommen, bucht Rémy unser Zugbillett nach Mysore für Freitag und dann machen wir uns auf den Weg "nachHause", wieder über den Fluss.


Die Kinder können es kaum erwarten, endlich in den kühlen Pool zu springen, denn es war heute wieder extrem heiss zwischen den Felsen.
(Claudia)