Mittwoch, 12. August 2009

Bibeli - Schwitzen - Puder- Schwitzen - Schwitzen...

Sämi bleibt heute im Bett. Seine Temperatur ist noch nicht gesunken, ist ja auch schwierig, wenn es sonst schon so heiss ist. Als wir beim Morgenessen sitzen, kommt Bablu, Sämis neuer Freund vorbei, um ihn abzuholen. Er kommt jeweils mit dem Bus um 08.30 h von Varanasi her an. Ich denke, er steht jeweils vor 06.00 h auf, um rechtzeitig auf den Bus zu kommen. Sämi bleibt aber trotzdem den ganzen Tag im Bett.
Im Anschluss an die Morgenandacht wird die Nationalhymne für kommenden Freitag geübt. Das geht ganz militärisch zu und her und ist zu vergleichen mit unserem "Ruhn - Achtung!!" Also zuerst kommt der Befehl breit zu stehen und dann eben das "Achtung!": Alle stehen stramm, die Arme an den Körper gepresst und dann wird lautstark die Nationalhymne gesungen. Natürlich alles auswendig!

Nach der Morgenandacht bekommen wir von Sibylle eine Dose Puder, denn Alice, Louis und Claudia haben mit lästigen Ausschlägen zu kämpfen, die wohl vom Schwitzen und von der Sonne herrühren. Das bringt willkommene Linderung. Sie sind mit diesem Problem übrigens nicht alleine. Auch Sämi ist nicht der einzige, der kränkelt, im Mädchenhostel hat es auch drei bis vier erwischt. Es ist einfach das Wetter. Viel zu heiss und vor allem kein Regen. Ab und zu hört man abends ein Donnergrollen oder sieht ein Wetterleuchten - von Regen aber keine Spur. Wir hoffen weiter, den Monsun doch noch zu erleben...

Während des Unterrichts sieht man auf dem Gelände etliche Schülergruppen für den Nationalfeiertag üben. In Louis Klasse läuft wieder einmal nicht viel. Aber ab und zu kommt eine Lehrerin oder Aufpasserin vorbei und das ist es wieder etwas ruhiger. Zwischendurch setze ich mich ans Lehrerpult und spiele mit den Kindern "Kommando döpperle", was sie sehr lustig finden, doch ist es schwierig, sie soweit zu bringen, dass wirklich alle mitmachen, da reicht mein Hindi noch nicht aus. Louis macht zuerst etwas Deutsch und dann Mathematik. Ich helfe ihm dabei und einzelne Kinder kommen zu mir, um ihre Aufgaben zu zeigen. So mutiere ich zum Lehrer, was soweit ganz gut geht. Okay, als dann einer der Kleinsten mit seinem Hindi-Lesebuch zu mir kommt und mir lautstark und voller Stolz die einzelnen Wörter vorliest, bin auch ich ziemlich hilflos, gebe ihm aber mimisch zu verstehen, dass er das gut gemacht habe. Er hat die Wörter so überzeugend vorgelesen, das kann fast gar nicht falsch gewesen sein.
Nach eineinhalb Stunden kommt dann tatsächlich noch eine richtige Lehrerin ins Zimmer und es wurde noch eine halbe Stunde gearbeitet. Soweit ich informiert bin, sollte es nach dem 15. August 2009, aber dann richtig losgehen mit der Schule. Da sind wir aber gespannt!

Zwischendurch gehe ich aus dem Zimmer und melde bei Promilla, dass unsere Batterie im Eimer ist. Sofort wird sie gewechselt, jedoch sind wir schon wieder im alltäglichen 10.00 - 14.00 h Stromausfall, die Batterie konnte sich also nicht aufladen und wir schwitzen uns über Mittag einen ab...
Den Nachmittag verbringen wir mehr oder weniger als tote Fliegen. Claudia und später auch noch ich machen etwas Wäsche. Von Hand natürlich, mit unserem Waschbrett, dass wir eigens aus der Schweiz mitgebracht haben. Barbara, es ist einfach gold wert, dhanyawad! Zwischendurch kann sich Sämi zu einem Würfelspiel aufraffen, das ist doch schon ein kleines positives Zeichen.
Später gehen wir mit Ravi noch kurz in den Teastall und machen anschliessend einen kleinen Spaziergang zum Kiran eigenen Bauernhof. Von den sieben Kühen sind fünf trächtig. Zudem hat es noch ein paar Kälber. Jeden Tag kriegen wir abends etwa einen Liter frischer Milch direkt ab Kuh. Am folgenden Morgen machen wir damit unseren Chai und Alice und Louis finden, dass sei die beste Milch, die sie je getrunken haben. Jeden zweiten Tag kriegen die SchülerInnen übrigens auch einen Becher Milch, wenn immer möglich von den Kirankühen. Ab und zu muss aber noch Milch dazugekauft werden.

Sämi lässt ausrichten, dass er auch schon von einer Ameise blutig gebissen worden ist und dass er alle grüssen lässt, die ihn kennen.
(Rémy)

2 Kommentare:

  1. Hallo Ihr am Ganges
    Wir fragen am Klosterplatz abendlich, ob ein Bericht erschienen sei, wie es der ganzen Schischigagabande geht und ob alle gesund und zufreiden sind. Da kommen uns soviel Lebensfreude, Gwunder, Kiran- und Indiengefühle entgegen! LIEBER SAEMI, ICH WUENSCHE DIR GUTE BESSERUNG. Du bist dann also der erste in der Familie, den's erwischt hat. Aber dafür bist du ja jetzt bereits "geimpft" und bist künftig gegen diverse Dorfkrankheiten immun!

    Lieben Dank für eure ausführlichen und offenen Erfahrungsberichte. Macht ihr das private Mail auch auf? Remy ruf mich doch mal am CH-vormittag an G062 839 90 15 (nicht Donnerstag)

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  2. Liebe Ischis
    Wir sind nun auch Skype tauglich.
    Wann seit ihr am besten online zu erreichen?

    Louis wir wünschen dir morgen einen guten Start mit deinem offiziellen Schulstart.

    Alice du hast auf dem Foto wirklich wie eine kleine Prinzessin ausgesehen. Wunderhübsch!

    Sämi, trink viel - ich denke fest an dich.

    Liebe Grüsse,
    Barbara & Tom

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